"Was Pflegekräfte in der Corona-Krise leisten, ist groß"

Christina Lademann (Schulleiterin) 



Corona stellt den Pflegebereich vor besondere Herausforderungen. Die Arbeit mit Risikogruppen, umfangreiche Schutz- und Hygienemaßnahmen sowie eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten für pflegebedürftige Menschen gehören derzeit zum Alltag. Was heißt das für die Pflegeausbildung?

Christina Lademann, Schulleiterin der Pflegeakademie der Vereinten Martin Luther + Althanauer Hospital Stiftung Hanau, erklärt, welche Auswirkungen Corona auf die Pflegeausbildung hat.

Frau Lademann, wie sieht der Alltag in Pflegeschulen zu Corona-Zeiten aus? Was hat sich seit der Pandemie verändert?

Als die Pandemie sich Anfang März 2020 abgezeichnet hat, haben wir eine Unterrichtseinheit für alle Kurse zum Thema COVID-19 durchgeführt. Ab 13.3.2020 mussten wir die Schule dann schließen, die Schüler*innen gingen in die Praxiseinrichtungen. Schnell haben wir Lernpakete für die verschiedenen Kurse zusammengestellt, um die theoretischen Inhalte in alternativen Lernformen sinnvoll zu vermitteln. Das läuft sehr gut, wenn auch den Schüler*innen natürlich die persönliche Begleitung der Lehrer*innen und der Austausch im Team fehlt.

Die Abschlussklassen haben nun ab Mai wieder Präsenzunterricht. Wir unterrichten in Kleingruppen, mit doppeltem Lehrpersonal und strengen Hygienevorschriften. Die Kurse im 1. und 2. Ausbildungsjahr werden weiterhin mit Lernpaketen versorgt. Diese werden von uns erstellt, den Schülern zugeschickt und die Schüler werden telefonisch begleitet und beraten. Sie geben quasi Hausarbeiten ab, die dann von uns korrigiert werden.

Wie finden derzeit die Prüfungen der Auszubildenden statt?

Wir konnten die letzten Prüfungen im März und April unter strengen hygienischen Auflagen durchführen. Abstandshaltung, Mundschutz und gründliche Händedesinfektion waren natürlich ebenso Thema, wie die persönliche Betreuung vor und nach der mündlichen Prüfung. Alle Schüler*innen haben diese Ausnahmesituation gut gemeistert.

Wie gehen die Azubis mit der aktuellen Situation um?

In allen Bereichen sind die Auswirkungen der Corona-Krise spürbar und besonders Pflegekräfte erleben diese Zeit als sehr belastend. Der Fokus in den Pflegeeinrichtungen liegt aktuell nicht auf der praktischen Ausbildung, sondern auf Funktionsfähigkeit und Aufrechterhaltung der Pflege. Das belastet die Schüler natürlich und verdient großen Respekt. Wir versuchen sie bestmöglich zu unterstützen.

Was tun die Einrichtungen, um Azubis vor einer möglichen Ansteckung zu schützen?

Nicht nur in der Pflege kann man sich anstecken, sondern auch beim Kontakt außerhalb des Berufes. Inzwischen gibt es in der Pflege weitgehend ausreichend Schutzmasken, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel. Pflegekräfte sind im Umgang mit anderen Infektionserkrankungen geschult und wissen gut, wie man sich schützen kann. In den meisten Einrichtungen gibt es Corona-Arbeitsgruppen, die sich mit den aktuellen Empfehlungen zum Infektionsschutz beschäftigen und diese umsetzen. Ich finde es besonders bemerkenswert, dass sich Schüler diesen Herausforderungen stellen und Menschen mit Corona pflegen.

Hat sich das Interesse an einer Pflegeausbildung seit der Pandemie verändert?

Wir stellen keinen Rückgang der Bewerberzahlen fest und das freut uns als Pflegeschule sehr! Vielleicht liegt das auch daran, dass unserer Gesellschaft die „Systemrelevanz“ der Berufe im Gesundheitswesen jetzt in der Krise doch stärker bewusstgeworden ist. Vielleicht schaffen wir es, eine nachhaltige Aufwertung der Pflegeberufe zu bewirken, denn was Pflegekräfte in der Corona-Krise leisten, ist groß.


Alle Infos rund um die Ausbildung zur/zum Pflegefachfrau*mann gibt es auf unserem Infoportal www.mit-dir.info

      
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