„Ich bin wieder ein Teil vom Leben.“

Kristin Wingender vor dem "Marktplatz 8" (Foto: Peter Bongard / Dekanat Westerwald)

Kristin Wingenders Aufgaben sind vielseitig: Sie ist Kellnerin, Küchenhilfe, Verkäuferin und Bindeglied zwischen psychisch kranken Menschen und psychologisch Beratenden. Die 53-Jährige arbeitet als Freiwillige im „Marktplatz 8“, einem Café, Geschenkeladen und die Kontakt- und Informationsstelle (KIS) des Diakonischen Werks Westerwald für psychisch kranke Menschen. Direkt im Zentrum von Westerburg gelegen, tummeln sich unter der Adresse „Marktplatz 8“ jeden Tag zahlreiche Menschen, die einen bezahlbaren Kaffee trinken, ein Stück selbstgebackenen Kuchen essen, ein Geschenk kaufen oder sich beraten lassen. Der Charme des Treffpunkts: Das Personal des Cafés und Ladens ergänzen Freiwillige, die oft selbst psychisch erkrankt sind. Kristin Wingender unterstützt seit acht Jahren das ehrenamtliche Team von „Marktplatz 8“.

„Als ich damals meinen Beruf als Sozialpädagogin wegen einer psychischen Erkrankung nicht mehr ausüben konnte, habe ich den Pfarrer gefragt, was ich nun machen kann. Ich brauchte eine Aufgabe, die ich mir auch ohne viel Geld leisten kann. Marktplatz 8 ist perfekt für mich: Der Laden ist gut erreichbar, und ich kann so arbeiten, wie ich es immer wollte. Es ist immer etwas los, und ich bin mittendrin in einer bunten Gesellschaft. Bei uns herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Dies ist kein normales Café, in dem man schief angeguckt wird, wenn man zu lang bleibt. Hier ist alles etwas entspannter. Manche Gäste sitzen mehrere Stunden an ihrem Platz oder kommen nur, um zu reden oder ihr Handy aufzuladen. Früher fühlte ich mich fremd in Westerburg. Ich war aus einer Großstadt in den Westerwald gezogen und hatte viele Jahre das Gefühl, Westerburg ist mir zu klein. Inzwischen ist das Städtchen zu meinem Zuhause geworden. Im Marktplatz 8 gehöre ich dazu, ich bin ein Teil der Stadt und wieder vom Leben. Man kennt sich tatsächlich und das fühlt sich ehrlich und herzlich an. Als vor kurzem das Café an meinem Arbeitstag geschlossen war, hat es mir gefehlt. Mir war regelrecht langweilig. Für mich ist meine Arbeit nicht nur ein Ehrenamt. Ich bin Bestandteil eines Gesamtprojekts und das tut gut.“ 

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