Opfer von Gewalt stehen vor dem Nichts

Diakonie Hessen fordert mehr Rechte für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden – Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November

In vielen Familien und Partnerschaften haben mit der Corona-Pandemie die Konflikte und damit auch die Gewalt zugenommen, so eine erste Einschätzung des hessischen Justizministeriums im Juli. Von Gewalt betroffen sind vor allem Frauen und dies über alle Altersklassen, Herkunft und Schichten verteilt. Der mit der Pandemie erwartete massive Zulauf von Frauen zu Frauenhäuser und Beratungsstellen blieb zwar bisher weitgehend aus. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Probleme „hinter verschlossener Tür“ keinesfalls weniger geworden, sondern nur weniger sichtbar sind. Mit validen Zahlen ist jedoch erst im nächsten Jahr zu rechnen.

Zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen am 25. November sagt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen:

„Dass Frauen Opfer von Gewalt in der Partnerschaft werden, ist nicht erst seit Corona so. Die Frauen in Not sollen wissen: Die Frauenhäuser in Hessen sind auch in Corona-Zeiten weiter offen. Aber die Häuser stoßen ohnehin schon an ihre Grenzen. Aktuell sind nur noch wenige Plätze in fünf von insgesamt 32 Frauenhäusern in Hessen frei. Nun ist es an der Landesregierung deutlich mehr Frauenhausplätze und die nötigen Fachkräfte zu fördern.“

Frauen und Kinder sollten ihr Zuhause nicht verlieren

„Viele Bewohnerinnen müssen länger bleiben als nötig, da die Suche nach bezahlbarem Wohnraum oft erfolglos bleibt“, sagt Carsten Tag weiter. „Zudem kommt: Frauen und ihre Kinder werden zu ihrem Schutz aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen und stehen vor dem Nichts, während die Männer in ihren Wohnungen bleiben können. Aus Angst vor Armut und Obdachlosigkeit zieht so manche Frau zurück zu ihrem gewalttätigen Partner. Wir appellieren deshalb an die Politik, den von Gewalt betroffenen Frauen und gegebenenfalls ihren Kindern das Recht zuzusichern, in ihren Wohnungen bleiben zu können. Frauen, die Gewalt erfahren haben, dürfen nicht auch noch ihr Zuhause verlieren. Dies wäre ein wichtiges Signal und würde den Frauen einen sicheren Rahmen und die nötige Zuversicht geben, die sie für diesen wichtigen Schritt brauchen.“