Preisträger 2018

Soziale Projekte in Koblenz, Mainz und Westerburg mit dem Helmut-Simon-Preis ausgezeichnet

„Die Seele spricht in Bildern“ und „SALAM“, Integrationsprojekt des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Koblenz für, mit und von Frauen (1.Preis)

"Die Seele spricht in Bildern": Bei dem Malkurs für Frauen mit Fluchtgeschichte wird Freiraum an sicherem Ort geschaffen, in dem sich die Frauen ungezwungen und kreativ ausdrücken dürfen, um die Stationen des Wegs zu sich selbst zu reflektieren. Dabei wird die Vernetzung der Flüchtlingsfrauen über Nationen hinweg ausgebaut, die deutsche Sprache eingeübt und Möglichkeit geschaffen, Beratungsangebote und Hilfe bei Problemen anzunehmen.

SALAM fördert Integration durch Selbstverantwortung. Im Rahmen der Familiennachzüge aus den Fluchtregionen Afrikas wird der besondere Bedarf der neu angekommenen Frauen in Deutschland in den Blick genommen. Sie sind fremd, in einer für sie völlig neuen Gesellschaftsform, beherrschen die Sprache nicht und kennen die Kultur nicht. Sie sind isoliert. Im Projekt SALAM entsteht durch Öffnung der Treffen für alle Frauen mit Migrationshintergrund unabhängig von ihrem Herkunftsland ein interkulturelles Angebot, das Raum für Begegnung, Erfahrungs- und Informationsaustausch sowie gemeinsame Aktivitäten bietet. Unter Beteiligung unterschiedlicher Beratungsdienste werden sowohl bedarfsgerechte Integrationsangebote verbessert als auch die individuelle Vernetzung durch die  Einbeziehung von Kitas, Hebammen, Schwangeren-, Ehe-, Erziehungs- und Familienberatungsstellen gefördert. Dieses Angebot führt zu positiven Erfahrungen der Selbstwirksamkeit und der Selbstbemächtigung und somit zu einer Befreiung von Gefühlen der Abhängigkeit und Ohnmacht.

„Buddy and More - Studierende engagieren sich für Geflüchtete“, Hochschule Koblenz (2. Preis)

An der Hochschule Koblenz sind aktuell ca. 200 Studierende mit Fluchthintergrund, das sind ca. 20% aller ausländischen Studierenden, eingeschrieben. Ziel des Projekts ist es, studierfähigen jungen Menschen den Einstieg in ein Studium zu erleichtern und zum Studienerfolg beizutragen. Im Rahmen des Buddy-Programms bekommen Geflüchtete zusätzlich Unterstützungsangebote von Studierenden. Es wird sowohl für Geflüchtete (Newcomer) als auch für hilfsbereite „einheimische" (Locals) Studierende ein niedrigschwelliges Angebot gemacht, in beide Richtungen der Integration aktiv zu werden. Wir schlagen dieses Projekt vor, weil sich zeigte, dass bereits nach drei Semestern ehemalige Newcomer zu Locals wurden. Vielen Geflüchteten ist es wichtig, dass sie die Hilfe, die sie erfahren haben, nun selbst weitergeben können. Daher beteiligen sich zahlreiche Studierende mit Fluchthintergrund ehrenamtlich im Buddy-Programm, was eine Art Schneeballeffekt auslöst.

„Mein zweites Ich“, Diakonisches Werk Westerwald (3. Preis)

Es handelt sich um ein Fotoprojekt mit Klienten einer Tagesstätte der Diakonie in Westerburg. Psychisch erkrankte Menschen entdecken ihr zweites ICH. Es sind „sowohl als auch Abbildungen“, in denen die Betroffenen neben ihrem alltäglichen Arbeitsumfeld auch zeigen, als welchen Typ sie sich selbst sehen und welche verborgenen Seite sie gerne zeigen wollen. Durch dieses Projekt wurde den Darstellern deutlich, dass sie auch ungewohnte Situationen meistern, wenn sie sich zutrauen, ihre Sicherheitszone zu verlassen und Ja zum eigenen/zweiten Ich sagen. Das Projekt orientiert sich an den vorhandenen Ressourcen, ist kreativ und innovativ. Es verändert die Betroffenen und die Betrachter. Es ist inklusiv im besten Sinne und macht Mut.

„Hunde(T)raum“, Mission Leben in Mainz (Sonderpreis)

In diesem ungewöhnlichen Projekt gehen ehemals Wohnungslose und Menschen in langfristigen sozialen Notlagen erste Schritte, um Verantwortung zu übernehmen und ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Hunde(T)raum ist ein Hundeausgehservice – aber nicht irgendeiner - unter Trägerschaft der Mission Leben gGmbH. Hier werden Menschen fachlich im Umgang mit dem Tier geschult und dabei ihre Verlässlichkeit eingeübt und gefordert. Der Hund ist dabei der Mittler zwischen dem Hundehalter und dem ehemals Wohnungslosen. Da für beide das Wohl des Hundes im Vordergrund steht, begegnen sich beide Partner auf Augenhöhe. Die ehemals Wohnungslosen verfügen in diesem Bereich über Kompetenzen, die bis dahin niemand nachgefragt hat. Das Projekt „Hunde(T)raum“ eröffnet diesen Menschen eine Perspektive, um den Kreislauf von Versagenserfahrungen zu durchbrechen, eine ihren Kompetenzen entsprechende Tätigkeit aufzunehmen und neue Sozialkontakte zu knüpfen. Es hat sich in dieser Ausgestaltung zu einem in Rheinland-Pfalz bisher einzigartigen Angebot entwickelt.