Einsamkeit – Mittendrin, nicht außen vor

Kurzbeschreibungen der Preisträger-Projekte 2020

1. Platz: Pegasus – Naturpädagogische Angebote Kinder psychisch kranker Eltern
Bsj Marburg e. V.

Mit naturpädagogischen Angeboten soll das Modellprojekt eine alltagsintegrierte Förderung der psychosozialen Dispositionen der Kinder ermöglichen. Niedrigschwellige offene Wochenend- und Ferienfreizeiten bieten den teilnehmenden Mädchen und Jungen die Möglichkeit, eine kleine Auszeit von ihrem gewohnten und belasteten Umfeld zu erfahren. Spielerische und erlebnisreiche Aktivitäten in der Natur eröffnen den Kindern neue Erfahrungsmöglichkeiten und Chancen der Selbstwertsteigerung. Die Teilnahme an unseren regelmäßig stattfindenden Waldgruppen bietet immer wiederkehrend Gelegenheiten, die altersspezifischen Bedarfe auf pädagogischer Ebene aufzugreifen und zu bearbeiten, die persönlichen und sozialen Ressourcen der Kinder im Spiegel ihrer aktuellen Situation zu betrachten und zu stärken sowie einen regelmäßigen Austausch mit Gleichaltrigen in einer stabilen Gruppe zu erfahren, um darüber ggf. auch Freundschaften zu schließen. Die Arbeit mit den Eltern ermöglicht eine indirekte Begleitung der Kinder in ihren angestoßenen Entwicklungen und Prozessen. Unsicherheiten auch gegenüber Hilfsangeboten können abgebaut und die familiäre Kommunikation verbessert werden. Über eine fall- und strukturbezogene Schnittstellenarbeit kann überprüft werden, ob bzw. welche Anschluss-optionen im vorhandenen Hilfesystem für die Jungen und Mädchen im Anschluss an die Projektteilnahme förderlich sein könnten.

2. Platz: WohnGeStein - Wohnen gemeinsam, statt Einsam, trotz Behinderung mitten im Leben
Wohnen inklusiv Ggmbh

Ein Selbsthilfeprojekt für behinderte Menschen. WohnGeStein – das heißt WohnenGemeinsamStattEinsam – individuell im eigenen unabhängigen Appartement und zusammen in der inklusiven Hausgemeinschaft, die Geborgenheit und Unterstützung gibt! Trotz Behinderung mitten im Leben nahe der Innenstadt in 19 barrierefreien Wohnungen und einladenden Gemeinschaftsräumen. Träger ist die Wohngestein wohnen Inklusiv gGmbH. Ein altes Bürogebäude in zentraler Lage wird umgebaut, so dass 13 Apartments für Menschen mit Behinderungen und 6 für Menschen ohne Behinderungen entstehen.

2. Preis: „PontiFeen“ - Fechenheimer bauen Brücken für Geselligkeit im Alter
Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe e. V.

Wir sind ein Angebot des Bewegungs- und Serviczentrums Frankfurter Verband für ältere Menschen in Fechenheim. Die ehrenamtlichen PontiFeen möchten Brücken bauen zu anderen Menschen, damit niemand im Alter alleine sein muss und fördern nachbarschaft-liches Miteinander im Stadtteil. Sie unterstützen Menschen, die aus verschiedenen Gründen (Verlust des Ehepartners, Hohes Lebensalter, eingeschränkter Mobilität oder fehelenden Sozialkontakten) nicht oder sehr zurückgezogen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Die PontiFeen wurden professionell geschult. Dabei wurde auch das Thema Einsamkeit oder Schwierigkeiten in der Kontaktaufnahme besprochen. Hieraus wurde beispielsweise gezielt das Angebot Wege in die Geselligkeit entwickelt. Auch digitale Brückenbauer werden inzwischen eingesetzt sowie eine Telefondienst „In-Kontakt-Bleiben“.

3. Platz: Gemeinsam statt Einsam
Ev. Familienbildungsstätte Mehrgenerationenhaus Werra-Meißner

Die Ev. Familienbildungsstätte-Mehrgenerationenhaus Werra-Meißner (FBS-MGH) ist eine Bildungseinrichtung die Beratung, Begleitung und Begegnung für alle Menschen anbietet: Familien, Kinder, Senioren, Migranten, Menschen mit multiplen Problemen, Personen mit geringem Bildungsniveau u.v.a.m.. Der Aufgabenstellung gezielt Senioren zu unterstützen hat sich die FBS-MGH 2004 angenommen und hat seitdem ihre weitgehend ehrenamtlichen Angebote schrittweise bis heute zu einem ineinandergreifenden und umfassenden Angebotsmix ausgebaut. Herausragend ist dabei die Bedeutung des freiwilligen Engagements mit über 100 Ehrenamtlichen, die im gesamten Werra-Meißner-Kreis im Einsatz sind. Freiwillige Seniorenbegleitung, Freiwillige Demenzbegleitung, Aktivierender Hausbesuch, Besuch am Telefon, Pflegebotschafter oder (R)auszeit für pflegende Angehörige sind einige Angebote. Alle Angebote haben das Ziel, der Vereinsamung vorzubeugen, die körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Senioren zu erhalten, um möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Ergänzende Angebote dienen der Entlastung der pflegenden Angehörigen.

3. Platz: Nachbarschaftshilfenetzwerk AWO-Quartier Altenbauna
AWO Nordhessen

Unser Nachbarschaftshilfenetzwerk richtet sich an ältere und unterstützungsbedürftige Menschen unterschiedlichen Alters und Kulturen. Es bringt die Bürgerinnen und Bürger in Beziehung und schafft eine respektvolle, engagierte und gelebte Nachbarschaft. Es achtet den Willen und Wunsch der Menschen im gewünschten Wohnumfeld zu verbleiben. Quartiersmanager*innen und Nachbarschaftshelfer*innen bieten vielfältige Hilfe bei Themen wie Wohnen, Pflege Freizeitgestaltung, psychosozialer Beratung und Ehrenamt. Nachbarschaftscafe, WhatsApp-Gruppen, Smartphone-Sprechstunde, Silvesterfahrt, Kita- Omas, Begleitung bei Arztbesuchen, Besuchen Menschen die nach dem Tod des Partners Ängste entwickeln und viele andere Aktivitäten vernetzen die Bewohner im Quartier und schaffen tragfähige Beziehungen.

Sonderpreis: Menschenrechte – Integration
Peri e. V. – Verein für Menschenrechte und Integration

Der Verein setzt sich für Menschenrechte und Integration von meist jungen Migrantinnen oder bedrohte Jugendliche aus patriarchalen Strukturen, die Gewalterfahrungen und Diskriminierung oder auch Zwangsheirat ausgesetzt waren, ein. Er ermöglicht Kontakt, Hilfe und Beratung für eine Zielgruppe, die aufgrund autoritärer Familienstrukturen, teils fehlender Freiheiten oder Sprachkenntnisse oft keine Hilfsangebote kennt oder wahrnehmen kann. Hierdurch werden Hilfen für ein eigenständiges Leben in Deutschland bereitgestellt, ohne die diese Menschen nicht oder kaum an einem gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Sonderpreis: Mit Worten Brücken bauen / Stimmgeber
Lebenshilfe Dillenburg

Im Stimmgeber-Projekt gemeinsam mit Poetry-Slammern aus dem ganzen Bundesgebiet schreibe ich für Menschen, die sich selbst schlecht oder gar nicht mitteilen können. Wir schaffen einen vertrauensvollen, freundlichen und unterhaltsamen Rahmen, um auf deren Lebenslagen, Missstände und Weltanschauungen aufmerksam zu machen. Gemeinsam geben wir Menschen eine Stimme, eine die so laut ist, dass sie wieder andere sprachlos macht. Menschen mit und ohne Behinderungen verfassen gemeinsam Geschichten aus dem Leben, „Lebensgeschichten“, in 1000 Zeichen. Dem Projekt gelingt es, das Gruppengefühl der Teilnehmer untereinander zu stärken und jeden einzelnen ein bisschen mehr in die Gesellschaft zu integrieren.
Menschen mit Behinderung werden sehr häufig gesellschaftlich ausgegrenzt, wenige Menschen denken darüber nach, dass sie neben ihrem „Handicap“ zusätzlich mit genau denselben Problemen zu kämpfen haben, wie jeder „normale“ Mensch auch. Der Wunsch nach Liebe, Zugehörigkeit, Verbundenheit. Das Finden eines Partners oder das Schließen von Freundschaften ist im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung erschwert. Daher ist es wichtig, dass die Gesellschaft ein Gefühl dafür bekommt, dass eine Behinderung nicht nur eine Hürde im allgemeinen Alltag (Arbeiten, Haushalt, Events etc.) darstellt.