Mitgliederversammlung 2017

Diakonie Hessen öffnet Arbeitsrecht auch für kirchengemäße Tarifverträge

Knapp 200 Vertreter der Diakonie Hessen beschließen auf der Mitgliederversammlung am 15. November in Hanau, dass zukünftig neben dem Kommissionsmodell, dem so genannten „Dritten Weg“, auch kirchengemäße Tarifverträge zulässig sind. Interesse an diesem Modell haben mehrere Träger der Altenpflege. Für sie soll nun ein Branchentarifvertrag entwickelt werden. „Die Mitgliederversammlung hat eine für die Diakonie Hessen wichtige Entscheidung getroffen“, sagt Vorstand Dr. Harald Clausen. „Zusätzlich zur bewährten Arbeitsrechtssetzung über den Weg der Arbeitsrechtlichen Kommissionen ist nun auch die Tür für kirchengemäße Tarifverträge geöffnet. „Kirchengemäßheit“ der Tarifverträge bedeutet, dass Streik und Aussperrung, die immer zu Lasten der uns anvertrauten hilfebedürftigen Menschen gehen, ausgeschlossen sind und eine Schlichtung verbindlich ist.“ Mit der Satzungsänderung kommen die Mitglieder der Diakonie Hessen dem Wunsch vieler Mitarbeitervertretungen und der Gewerkschaften nach einer Öffnung für Tarifverträge nach. Nun müssten weitere Gespräche zeigen, wie ernst es den Mitarbeitervertretungen und Gewerkschaften mit der Umsetzung ist. „Für den weit größeren Teil der Mitglieder der Diakonie Hessen ist es jetzt wichtig, eine einheitliche Arbeitsrechtliche Kommission auf dem Gebiet der Diakonie Hessen zu etablieren. Ihre wichtigste Aufgabe wird es sein, die bisher getrennten Dienstvertragsrechte von Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck zu vereinheitlichen“, so Dr. Clausen.

Soziale Arbeit als Investition in die Zukunft

Auf der Mitgliederversammlung benennt Vorstandsvorsitzender Horst Rühl die sechs wichtigsten Trends, die die diakonische Arbeit beeinflussen und in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Die Soziale Arbeit wird digitaler, die Menschen sind immer mehr auf sich selbst zurückgeworfen und arme, schwache oder eingeschränkte Menschen werden zunehmend vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Auch der demographische Wandel sorgt für einschneidende Veränderungen in der Gesellschaft. In der Folge steigt der Kostendruck und die Soziale Arbeit wird zunehmend an rein betriebswirtschaftlichen Maßstäben ausgerichtet. Vorstandsvorsitzender Rühl: „Der ständige Druck sich wirtschaftlich zu optimieren, führt zu einem Sparen an falscher Stelle. Staatliche und kommunale Behörden sehen Soziale Arbeit zu oft als Kostenfaktor und nicht als Investition in die Zukunft des Gemeinwesens.“ Die Sozialwirtschaftsstudie der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege habe dieses Jahr gezeigt, dass sich die Investitionen in die Sozialwirtschaft langfristig rechnen können. In der sozialen und diakonischen Arbeit gehe es um den Menschen und die Achtung seiner Würde und Rechte. Rühl: „Die Rückkehr zu einer sozialen Marktwirtschaft, die das Wohlergehen der Menschen im Blick behält, muss Ziel aller öffentlich-politischen Diskurse sein. Dann kommen wir zu einer Marktwirtschaft zurück, die das Prädikat „sozial“ verdient.“

Claudia Brinkmann-Weiß gibt Vorsitz der Mitgliederversammlung ab

Claudia Brinkmann-Weiß, seit Anfang des Jahres Vorsitzende der Mitgliederversammlung der Diakonie Hessen, wird zum 1. Dezember zur neuen Dezernentin für Diakonie und Ökumene der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck berufen. „Als Dezernentin werde ich dem Aufsichtsrat der Diakonie Hessen als stimmberechtigtes Mitglied angehören und daher den Vorsitz der Mitgliederversammlung niederlegen. Mein Ziel, das Zusammenwachsen der Diakonie Hessen zu fördern und die enge Verbindung von Diakonie und Kirche im Blick zu halten, werde ich auch in meinem neuen Amt verfolgen“, sagt Claudia Brinkmann-Weiß. Bis zur Neuwahl des Vorsitzes übernimmt die stellvertretende Vorsitzende der Mitgliederversammlung, Dr. Birgit Pfeiffer, die Aufgaben.

Hanauer Lokalpolitiker zu Gast

Landrat Thorsten Stolz vom Main-Kinzig-Kreis und der Hanauer Bürgermeister Axel Weiss-Thiel halten die Grußworte auf der Mitgliederversammlung. Stolz würdigt die Diakonie Hessen als wichtigen zivilgesellschaftlichen Akteur. Bürgermeister Weiss-Thiel freut sich über die gute Zusammenarbeit der Stadt Hanau mit den seit vielen Jahren ansässigen diakonischen Einrichtungen.

Kaufmännischer Vorstand Wilfried Knapp präsentiert Jahresabschluss

Die Diakonie Hessen hat 2016 mit insgesamt 1650 hauptamtlichen Mitarbeitenden (ca. 1092 Vollzeitstellen) einen Jahresüberschuss von 4,1 Millionen Euro erwirtschaftet, gegenüber 1,3 Millionen Euro im Vorjahr. Der Überschuss wurde wie immer vollständig in die Rücklagen eingestellt. Erträgen von rund 102 Millionen Euro, die zu 75% in den Regionalen Diakonischen Werken in Hessen und Nassau anfielen, standen Aufwendungen von rund 98 Millionen Euro gegenüber, fasste Wilfried Knapp bei seiner Präsentation zusammen.

 

Zu den Pressemitteilungen des Tages:

Impressionen und Eindrücke von der Mitgliederversammlung gibt es unserer Bildergalerie

Jahresbericht 2017


Leitthema des Jahresberichts ist "soziale Gerechtigkeit", die größte Baustelle in Hessen und ganz Deutschland. Blättern Sie durch den Jahresbericht 201!

Jahresbericht 2017 zum Download (3,3 MB)

 

 

Rechenschaftsbericht und Jahresabschluss

Der Rechenschaftsbericht des Vorstand und des Aufsichtsrats zum Download:

 

Trends in der Sozialwirtschaft

Auf der Mitgliederversammlung benennt Vorstandsvorsitzender Horst Rühl die sechs wichtigsten Trends, die die diakonische Arbeit beeinflussen und in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Die Soziale Arbeit wird digitaler, die Menschen sind immer mehr auf sich selbst zurückgeworfen und arme, schwache oder eingeschränkte Menschen werden zunehmend vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Auch der demographische Wandel sorgt für einschneidende Veränderungen in der Gesellschaft. In der Folge steigt der Kostendruck und die Soziale Arbeit wird zunehmend an rein betriebswirtschaftlichen Maßstäben ausgerichtet.Die folgenden 6 Trends hat der Vorstand als besonders relevant für die Diakonie Hessen identifiziert:

  • Individualisierung
  • Soziale Arbeit 4.0
  • Exklusion
  • Demographischer Wandel
  • Zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft
  • Volatile Tendenzen sozialer Arbeit

Die detaillierten Ausführungen von Horst Rühl zu den erkannten Trends in der Sozialwirtschaft gibt es hier zum Download