Fachkräftemangel, Mietenwahnsinn und diakonische Kultur im Blick

  • Bischöfin Hofmann (EKKW) als Gastrednerin auf der Mitgliederversammlung der Diakonie Hessen

  • 180 Vertreter*innen von Mitgliedseinrichtungen tagen in Hanau

  • Vorstände Knapp und Dr. Clausen über die sozialen Herausforderungen 2019 für Verband und Mitglieder

  • Tag der Kinderrechte: Neue Positionen „Unerhört. Sozial. III“ zu Kinder- und Jugendrechten 

Dr. Beate Hofmann, die neue Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), war prominente Gastrednerin auf der am heutigen Mittwoch stattfindenden Mitgliederversammlung der Diakonie Hessen. Vor mehr als 180 Vertreter*innen der Mitgliedseinrichtungen der Diakonie Hessen hielt sie einen Impulsvortrag über das evangelische Profil diakonischer Einrichtungen in einer vielfältigen Gesellschaft. Die Vorstände der Diakonie Hessen, Wilfried Knapp und Dr. Harald Clausen, berichteten im Anschluss über die gesellschaftspolitischen Herausforderungen für den Wohlfahrtsverband und seine Mitglieder, darunter der Fachkräftemangel in den sozialen Berufen und die wachsende Armut in Hessen.

Bischöfin Dr. Hofmann: Diakonische Kultur stiftet Identität

„Was heute gute Pflege ist, ist im christlichen Raum entstanden“, sagte Bischöfin Dr. Beate Hofmann zu ihrem Eröffnungsvortrag, in dem sie aktuelle Studienergebnisse zum evangelischen Profil präsentiert. „Wenn Sie Leitbilder unterschiedlicher Einrichtungen nebeneinanderstellen, dann steht da im Großen und Ganzen überall das Gleiche. Diakonische Kultur zeigt sich viel stärker in dem, wie wir etwas machen.“ Erkennbar sei dies im diakonischen Umfeld etwa im Respekt vor der Würde oder der Achtsamkeit im Umgang mit Menschen. Die Herausforderung sei, „dass das Diakonische Teil der Unternehmensidentität und nicht nur das Engagement einzelner Mitarbeitender ist“, so die Bischöfin weiter. (Mehr Infos)

Vorstand Dr. Clausen: „Roboter sind kein Ersatz für menschliche Nähe“

„Unsere Gesellschaft wird vielfältiger und älter. Dies stellt die Sozialwirtschaft vor große Herausforderungen“, sagte Dr. Harald Clausen, Vorstand der Diakonie Hessen, zum Bericht, den er gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Wilfried Knapp bei der Versammlung vorstellte. „Der Fachkräftemangel geht uns alle an. Wir merken jeden Tag, was es heißt, wenn Kolleg*innen fehlen. Mehr Technik oder gar Roboter können kein Ersatz für menschliche Nähe sein.“ Die Soziale Arbeit profitiere zwar von der Digitalisierung, diese berge aber auch Risiken, sagte Dr. Clausen. „Die Digitalisierung ist ein Baustein, der unsere Arbeit und die Teilhabe aller erleichtern kann. Allerdings birgt sie die Gefahr, dass die Menschen und das soziale Miteinander auf der Strecke bleiben. Dort die Waage zu halten, ist eine Herausforderung, der wir uns stellen.“

Vorstand Wilfried Knapp: „Wir setzen uns für lebenswerte und solidarische Gesellschaft ein“

„Dass unsere Arbeit noch lange nicht getan ist, zeigt auch die steigende Armut in Hessen und der Mietenwahnsinn in den großen Städten“, sagte Wilfried Knapp, Vorstand der Diakonie Hessen. „Ohne die Unterstützung des Landes und der Kommunen können wir die Kluft zwischen Stadt und Land, Arm und Reich nicht überwinden.“ Große Familien, Alleinerziehende, Erwerbslose oder Menschen mit Migrationsgeschichte seien die Verlierer der Gesellschaft. Knapp: „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum und mehr Sozialwohnungen für diejenigen, die auf dem normalen Wohnungsmarkt keine Chance haben. Wir setzen uns für eine lebenswerte und solidarische Gesellschaft ein, die alle einschließt. Dafür erheben wir unsere Stimme.“

Stärkere Diakonie vor Ort

Die Mitgliederversammlung hat den Weg für die Verselbständigung ihrer 17 Regionalen Diakonischen Werke (RDW) im Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) geebnet. 2020 wird der Verband seine RDW in eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Diakonie Hessen überführen. Der Wohlfahrtsverband stellt sich damit neu auf und strukturiert seine sozialen Beratungsdienste mit über 1.300 Mitarbeitenden in der Region um. „Unter dem Dach einer Tochtergesellschaft sind unsere RDW weiterhin Teil unserer Solidargemeinschaft“, sagt Wilfried Knapp, der auch der designierte Geschäftsführer der neuen Tochtergesellschaft ist. „Gleichzeitig haben sie als Mitglied mehr Raum für Gestaltung und eigenständige regionale Entwicklung.“

Dr. Harald Clausen sagte dazu: „Als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege und Werk der Kirchen haben wir seit jeher unsere Mitglieder im Blick. Nun können wir uns noch stärker den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft zum Wohle unserer Mitglieder und der von ihnen unterstützten Menschen stellen.“ Die nächste Mitgliederversammlung findet aufgrund der Verselbständigung der Regionalen Diakonischen Werke der Diakonie Hessen bereits am 1. Juli 2020 in Hanau statt. (Mehr Infos)

Tag der Kinderrechte: „Unerhört. Sozial. III“ zu Kinder- und Jugendrechten erschienen

Zum 30. Tag der Kinderrechte veröffentlicht die Diakonie Hessen das dritte Positionspapier aus ihrer Reihe „Unerhört. Sozial.“. Der Landesverband gibt damit Denkanstöße zu Kinder- und Jugendrechten heraus. Eine der wesentlichen Forderungen ist, die von der UNO bereits 1989 verabschiedete Kinderrechtskonvention in allen Lebensbereichen umzusetzen. Auf 28 Seiten zeigt die Diakonie Hessen, wo und wie das Leben der Kinder und Jugendlichen gerechter gestaltet werden kann.

Das erste Positionspapier der Reihe erschien zur Landtagswahl 2018. Zu den anschließenden Koalitionsverhandlungen gab die Diakonie Hessen mit einer weiteren Ausgabe den Politikern Denkanstöße für die neue Legislaturperiode mit auf den Weg. Mit „Unerhört. Sozial.“ sollen diejenigen zu Wort kommen, die in unserer Gesellschaft nur wenig Gehör finden. Auch soll der politische Diskurs über Gerechtigkeit und Teilhabe weitergeführt werden. (Mehr Infos)