Oktober 2020

„Der große Wurf sieht anders aus“

Diakonie Hessen zu Jens Spahns Pflegereformvorschlag


Vorstandsvorsitzender Carsten Tag
 

Vorstandsvorsitzender Carsten Tag

Jens Spahn schlägt eine Pflegereform vor, mit der die Höhe des Eigenanteils für die stationäre Pflege bundesweit begrenzt werden soll. Aktuell variiert die Höhe des Eigenanteils in jedem Bundesland noch, teilweise sehr stark: In Nordrhein-Westfalen zahlen die Heimbewohner*innen im Durchschnitt 2.357 Euro aus eigener Tasche, in Sachsen-Anhalt 1.359 Euro. In Hessen zahlen Pflegeheimbewohner*innen derzeit durchschnittlich 1.913 Euro monatlich als Selbstbeteiligung für ihre Versorgung. Davon entfallen als Eigenanteil auf die Pflege 714 Euro, auf Unterkunft/Verpflegung 698 Euro sowie auf die Investitionskosten 501 Euro. Mit der von Spahn vorgeschlagenen Begrenzung auf maximal 700 Euro für 36 Monate würden hessische Pflegeheimbewohner*innen statt 714 Euro derzeit 700 Euro zahlen, alle anderen Eigenanteile blieben bestehen.

„Ein großer Wurf sieht anders aus“, kommentiert Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, den Pflegereformvorschlag von Jens Spahn. „Die Vielzahl der kleineren Reformen schiebt die notwendige große Lösung nur hinaus. Gemeinsam mit der Diakonie auf Bundesebene und dem Bundesfachverband DEVAP* fordern wir seit 2016, dass alle Sektoren** im Bereich der Pflegeversicherung zusammen betrachtet und weiterentwickelt werden. Dies beinhaltet eine umfassende Finanz- und Strukturreform, die auch die Situation pflegebedürftiger Menschen und ihrer Familien berücksichtigt, die durch Tagespflegen, durch ambulante Dienste oder alleine durch ihre Angehörigen versorgt werden. Die hohen Kosten in der stationären Pflege bilden nur die Spitze des Eisbergs.“

Diakonie und DEVAP: Umfassendes Konzept für Reform vorgelegt

Gemeinsam mit dem Deutschen Evangelischen Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP) setzt sich die Diakonie dafür ein, die Sektorengrenzen abzubauen, ein einheitliches Personalaufbaukonzept zu entwickeln, pflegende Angehörige und die Zivilgesellschaft zu stärken und die Kommunen stärker an dieser Entwicklung zu beteiligen. In dem umfassenden Konzept „Strategiepapier Altenarbeit und Pflege 2021 bis 2025“ sind die Grundzüge der notwendigen Reform beschrieben.

Die Diakonie Hessen lädt alle gesellschaftlichen Gruppen und politisch Verantwortlichen ein, diese Reformvorschläge zu diskutieren und sich an der Neugestaltung einer zukunftsfesten pflegerischen Infrastruktur zu beteiligen.

*Deutscher Evangelischer Verband für Altenarbeit und Pflege e.V.
**ambulante, stationäre und teilstationäre Pflege sowie Pflege durch Angehörige