März 2018

Gesunde Familien – Starke Familien

Für den Erhalt der Beratungsstellen Frauen- und Familiengesund-heit/Müttergenesung


(v.l.n.r.): Claudia Ravensburg (CDU), Sigrid Erfurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Heidrun Klinger-Meske (Diakonie Hessen), Sandy Hoffmann , Annegret Höhmann, Marita Galuschka (alle Diakonisches Werk Region Kassel)
 

(v.l.n.r.): Claudia Ravensburg (CDU), Sigrid Erfurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Heidrun Klinger-Meske (Diakonie Hessen), Sandy Hoffmann , Annegret Höhmann, Marita Galuschka (alle Diakonisches Werk Region Kassel)

Die Landtagsabgeordneten Sigrid Erfurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Claudia Ravensburg (CDU) besuchten die Beratungsstelle Frauen- und Familiengesundheit / Müttergenesung des Diakonischen Werkes Region Kassel, um sich vor Ort über die Zukunft und den Erhalt der Einrichtung zu informieren.

Seit über 30 Jahren ist die Beratung von Müttern, in jüngster Zeit auch von Vätern, ein etabliertes Präventions- und Gesundheitsangebot für Menschen in der Region Kassel. Doch nun droht dieses Angebot zu Ende zu gehen. „Mit Eintritt in den Ruhestand unserer langjährigen Mitarbeiterin Marita Galuschka im November 2018 kann die Beratung für Mütter, Väter und pflegende Angehörige aufgrund zurückgehender finanzieller Mittel in diesem Rahmen vo-raussichtlich nicht mehr vorgehalten werden. Die bisher vorrangig aus kirchlichen Mitteln fi-nanzierte Arbeit wird künftig nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, “ blickte die Bereichsleitung, Annegret Höhmann, besorgt in die Zukunft.

Um auf diesen unbefriedigenden Zustand aufmerksam zu machen und um über mögliche Perspektiven ins Gespräch zu kommen, luden die Diakonie Hessen und das Diakonische Werk Region Kassel die Landtagsabgeordneten Sigrid Erfurth (Stellvertretende Fraktionsvorsitzende BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sowie Claudia Ravensburg (Mitglied des Fraktionsvorstandes der CDU) ein, sich vor Ort über die Arbeit der Beratungsstelle Frauen- und Familiengesundheit/Müttergenesung zu informieren. Beide sind u. a. auch für frauenpolitische Themen in ihren Fraktionen zuständig. Dabei brachten die Vertreterinnen der Beratungspraxis zum Ausdruck, dass finanzielle Verantwortungsübernahme durch die Landespolitik nötig sei, um das bewährte, gesundheitsfördernde Angebot im Rahmen der Frauen- und Familiengesundheit / Müttergenesung zu erhalten. So nahmen allein im Jahr 2017 über 600 Mütter und 30 Väter das Beratungsangebot wahr. „Erschöpfte Mütter und Väter benötigen unser Know-how und unsere Unterstützung bei der Beantragung der Kurmaßnahme. Ohne die gezielte Hilfestellung würden mehr als die Hälfte der Antragstellenden an den bürokratischen Hürden scheitern – ihnen fehlt die Kraft dazu“, wußte Marita Galuschka als Beraterin zu berichten. Claudia Ravensburg sagte dazu: „Die Mutter-Kind-Beratungsstellen sind eine wichtige Anlaufstelle für Mütter und Väter, die dringend wegen Überlastung eine Beratung oder Unterstützung bei der Antragstellung oder im Widerspruchsverfahren für eine Mutter-Kind-Kur brauchen. Ich danke Frau Galuschka für ihre geleistete Arbeit. Unser gemeinsames Ziel muss sein, dass auch künftig in erreichbarer Nähe Beratungsstellen für Hilfesuchende Eltern zur Verfügung stehen. Das Land Hessen hat deshalb im laufenden Doppelhaushalt die Mittel auf  jeweils 100.000 Euro zur Unterstützung des Landesausschusses Müttergenesung Hessen aufgestockt.“

Frauen- und Familiengesundheit / Müttergenesung als integraler Bestandteil  der psychologischen Beratungsstelle Frauen und Männer, die Kinder erziehen und bei denen die vom Arzt attestierten medizinischen Voraussetzungen vorliegen, haben grundsätzlich Anspruch auf eine Mütter- oder Mutter/Vater-Kind-Maßnahme zur medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation nach §§ 24 und 41 SGB V. Seit 2013 können auch Väter und pflegende Angehörige ihre stationäre Vorsorge oder Reha-Maßnahme in Kliniken des Müttergenesungswerks in Anspruch nehmen. Dabei ist das Konzept der „Therapeutischen Kette“ innerhalb des Müttergenesungswerkes weltweit einzigartig. Es umfasst die vorbereitende Beratung, die stationäre Vorsorge oder Reha-Maßnahme sowie Angebote der Nachsorge. Die Integration – räumlich wie personell - in eine Familienberatungsstelle wiederum ist einmalig in der Region Kassel. Dieses Therapiekonzept sichert nachhaltig die Wirkungen einer Kur, wenn ihre Erfolge im Alltag verankert werden. Darüber hinaus besteht eine enge Verzahnung zu weiteren Hilfeangeboten.

Familien in Balance
Als evangelischer Spitzenverband der Freien Wohlfahrtpflege sieht es die Diakonie Hessen als ihre Aufgabe, sich sozialpolitisch in die gesellschaftliche Debatte einzumischen und sich anwaltschaftlich für die Belange von Menschen, die Unterstützung benötigen, einzubringen.

In diesem Kontext engagiert sich sie sich für den Erhalt bzw. Ausbau des Beratungsangebotes für Mütter, Väter und pflegende Angehörige in Hessen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Frauen, trotz Berufstätigkeit, in der Regel immer noch alleine für die Haus- und Familienarbeit zuständig sind. Die Mehrfachbelastungen, ständiger Zeitdruck, finanzielle Sorgen, familiäre Probleme etc. führen auf Dauer zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Das Gesundheitsrisiko alleinerziehend ist hinlänglich bekannt. Fehlende Infrastrukturmaßnahmen wie soziale Netzwerke fordern Menschen in Familienverantwortung zusätzlich heraus. „Das präventive Beratungsangebot ist ein elementarer Baustein zur Gesundheitsförderung von Familien. Die Beratungsstellen sind oftmals die erste Anlaufstelle, um über die persönlichen Belastungsdimensionen zu sprechen", so Heidrun Klinger-Meske, Referentin für Frauen- und Familiengesundheit der Diakonie Hessen. Eine solide finanzielle Beteiligung des Landes Hessen, das die Initiative „Hessen hat Familiensinn“ angestoßen hat, hält sie für unerlässlich: „Gesunde Familien, sind starke Familien. Das soziale System Familie in seinen vielfältigen Facetten und als tragende Säule unserer Gesellschaft erfährt dadurch eine Stärkung - davon profitiert ein Land.“ Selbstverständlich würden Kirche und Diakonie weiterhin ihren Beitrag zum Beratungsangebot Frauen- und Familiengesundheit / Müttergenesung leisten, um den Zielgruppen einen gut erreichbaren Zugang zur Beratung zu ermöglichen.

Stichwort: Diakonisches Werk Region Kassel
Das Diakonische Werk Region Kassel bietet Beratung und Hilfe in den Bereichen „Beratung und Begleitung“, „Integration und Inklusion“, „Wohnen und Abhängigkeit“, „Jugend und Familie“ sowie einigen assoziierten Or-ganisationen. In Stadt und Landkreis Kassel unterhält es zahlreiche Beratungsangebote, Treffpunkte und am-bulante Dienste. Derzeit arbeiten hier über 200 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Wohle der Menschen in Stadt und Landkreis zusammen. Hinzu kommen zahlreiche Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.