Juni 2019

Hessischer Elisabeth-Preis für SOZIALES 2019: Herausragende Projekte gegen Armut ausgezeichnet

Beide Projekte unter dem Dach der Diakonie Hessen belegen dritten Platz


Die Preisträger aus der Diakonie Hessen belegen zwei dritte Plätze.
 

Die Preisträger aus der Diakonie Hessen belegen zwei dritte Plätze.

 

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e. V. vergibt in Kooperation mit der Hessischen Landesregierung und LOTTO Hessen den mit insgesamt 30.000 Euro dotierten Hessischen Elisabeth-Preis für SOZIALES 2019. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr in Wiesbaden sieben Projekte, die Armut bei Kindern und Jugendlichen mindern. ZDF-Moderatorin Barbara Hahlweg führte durch die Preisverleihung.

Über 50 Projektbewerbungen hessenweit gingen in diesem Jahr für den Hessischen Elisabeth-Preis für SOZIALES ein, der unter dem diesjährigen Leitsatz "Chancen geben - Kinderarmut bekämpfen" stand. Sieben der Projekte wurden am 5. Juni im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im Wiesbadener Schloss Biebrich ausgezeichnet. Sie alle hatten sich mit Ihren Ideen und Maßnahmen gegen Kinder- und Jugendarmut beworben. Die prämierten Projekte stammen aus der Stadt Kassel (Freestyle gGmbH), Hüttenberg (Flüchtlingshilfe Mittelhessen e.V.), Oberursel (Internationaler Verein Windrose 1976 e.V.), Friedberg (Kinderheim Jimbala e.V.), Erbach im Odenwald (Jugendwerkstätten Odenwald e. V.), Eschwege (Diakonisches Werk Werra-Meißner) und Frankfurt (Trägerverein des Frankfurter Jugendrings e.V.).

„Armut bei Kindern und Jugendlichen ist fast immer auch Familienarmut. Dies wissen viele Initiativen und Vereine, die sich in Hessen engagieren“, erklärte Nils Möller, Vorstandsvorsitzender der Liga Hessen im Rahmen der Feierstunde. Eltern wollen ihren Kindern ein gutes Lebensumfeld bieten, aber bei vielen Familien ist dies nicht möglich. Es fehlen wichtige Bedingungen für Teilhabe. Kinder und Jugendliche aus sozial schwierigen Verhältnissen versuchen oft diese Situationen zu verschleiern, auch wenn sie am wenigsten für ihr Situation können. Wer Armut bekämpfen will muss die Ursachen kennen, so Möller weiter. Allein in Frankfurt leben ca. 22.000 Kinder und Jugendliche, die von Armut betroffen sind.

Die Hessische Landesregierung weiß um die verschiedenen Problemlagen. „Mit den diesjährigen Preisen möchten wir allen Beteiligten für Ihr großes Engagement, ihre Zähigkeit und ihr gesellschaftliches Engagement danken und dies öffentlich würdigen“, erklärt Anne Janz, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Sozi-ales und Integration, bei der Preisverleihung.

Auch LOTTO Hessen hilft bei der Ehrung der Preisträger. Dr. Heinz-Georg Sunder-mann, Geschäftsführer von Lotto Hessen, hatte den Preis 2017 mitinitiiert und freut sich über die unterschiedlichen Projekte die Bildung, Integration und Teilhabe ermöglichen. „Diese Arbeit zu stärken, ist für uns alle ein Gewinn und wir möchten mit den Preisen motivieren und zum Nachahmen anregen“. 30.000 Euro stellt Lotto Hessen für den SOZIALPREIS jährlich zur Verfügung.

Die Angebote der Preisträger richten sich gezielt an Kinder, Jugendliche und Familien. Durch niedrigschwellige und kostenfreie Angebote erhalten Kinder und Jugendliche Essen, Unterstützung und Betreuung bei Hausaufgaben, handwerklichem Arbeiten, Natur- und Gruppenerfahrungen und bei der Freizeitgestaltung. Mit Respekt und Konsequenz werden Sie eingebunden in die Gestaltung der Angebote und eine geregelte Tagesstruktur. Auch die Eltern werden beteiligt, erhalten Unterstützung und Rat. Damit werden ihr Erfahrungshorizont und die sozialen Kompetenzen gestärkt.

Der Hessische Elisabeth-Preis für SOZIALES wurde von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e. V. gemeinsam mit einem der größten Sozialsponsoren im Land, der LOTTO Hessen GmbH, sowie der Hessischen Landesregierung ins Leben gerufen. Gemeinsames Ziel ist es, jährlich Vereine, Organisationen und Initiativen unter einem gesetzten sozialen Thema auszuzeichnen. Bewerben können sich Einzelpersonen, ehrenamtliche Initiativen, Vereine, Verbände, Organisationen, Schulen, Kommunen sowie Unternehmen, deren Projekt in Hessen mindes-tens sechs Monate vor Beginn der Bewerbungsfrist gestartet wurde.

Die Preisträger*innen 2019

1. Platz Freestyle gGmbH, Freestyle-Your Place-Your Game

8.000,00 Euro

Training ist der Höhepunkt der Woche. Jugendliche aus über 20 Nationen im strukturschwachen Stadtteil Wesertor in Kassel treffen sich in einer ehemaligen Fabrik, um Fußball, Basketball und Tischtennis zu spielen oder neue Trendsportarten auszuprobieren. Auch Zirkusprojekte, Theaterworkshops oder Ausflüge sowie Hilfe bei Behördengängen oder Konflikten gehören zum Angebot. Damit werden das Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen gestärkt. Die Jugendlichen gestalten die Angebote inhaltlich mit und können sich bei Interesse als Trainer ausbilden.

2. Platz Flüchtlingshilfe Mittelhessen e.V. NINO - Der Kulturbus

6.000,00 Euro

NINO, der Kulturbus fährt mehrmals in der Woche zu Flüchtlingsunterkünften in ländlichen Gebieten der Wetterau und im Lahn-Dill Kreis und besucht die Kinder. Ein mehrsprachiger Pantomime und Lesepaten verbringen mit ihnen Zeit beim Spielen, Lesen und Theater spielen. Unterstützt von Pädagogen helfen sie den Kindern für eine Zeit die Alltagssorgen zu vergessen Die Wirkung auf die Kinder ist enorm, sie lernen ihre Gefühle auszudrücken, werden aktiv und motiviert sich in die deutsche Kultur zu integrieren.

2. Platz Internationaler Verein Windrose 1976 e.V. "BRÜCKEN BAUEN", 6.000,00 Euro

Ehrenamtliche Paten kümmern sich in drei Projekten um Flüchtlingskinder. FLIP, Yalla und Ach so greifen konzeptionell ineinander. FLIP unterstützen die Familien in allen Fragen des Alltags und ergänzen die Erziehungsarbeit der Eltern. In der Schülherhilfe "Ach so" helfen sie Schüler*innen beim Lernen und den Hausaufgaben, fördern das Lesen und die Sprachentwicklung. Beim Ausflugsprogramm Yalla unternehmen sie Sport-, Spiel- und Freizeitaktivitäten gemeinsam. Damit werden Teilhabe und Integration gefördert. Die Paten leisten eine wichtige Beziehungsar-beit die Vertrauen schafft und das Selbstbewusstsein stärkt.

3. Platz Kinderheim Jimbala e.V., Konstruktives Lernen auf der Kinderfarm 3.000,00 Euro

Von Armut betroffene Kinder von 6 bis 12 Jahren in Friedberg mit Migrationshintergrund, Geflüchtete und deutsche Kinder kommen auf der Kinderfarm Jimbala zusammen um freie Natur zu erleben und zu gestalten. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände der Stadt unternehmen sie Outdooraktivitäten, spielen und handwerken. Darüber hinaus kümmern sie sich unterstützt durch ein pädagogi-sches Konzept um unterschiedliche Kleintiere wie Hasen, Meerschweinchen, aber auch Hühner, Gänse und Ziegen. Die Kinder gestalten die Arbeit mit, übernehmen Verantwortung und werden in ihren Grundrechten gestärkt und respektiert.

3. Platz Jugendwerkstätten Odenwald e. V., Lebensraum Kopfsteinpflaster - wenn Unterschiedlichkeit verbindet, 3.000,00 Euro

Das Projekt hat das Ziel, die Bewohner*innen des Stadtteils „Neustadt“ in Breuberg miteinzubinden, um den Sozialraum weiter zu entwickeln und die Lebenssituation für die Bewohner*innen zu verbessern. Es sollen nachhaltige Strukturen aufgebaut werden. Ein fester Wochenplan mit Angeboten für Eltern bei Behördenfragen oder -anträgen wird ergänzt durch Schülerhilfe und Spiele sowie Bastel- und Holzarbeitsprojekte für die Kinder. Bewohner*innen unterschiedlicher Milieus werden eingebunden, vernetzen sich und tauschen sich interkulturell aus. Damit wird das Gemeinschaftsgefühl im Stadtteil gestärkt.

3. Platz Diakonisches Werk Werra-Meißner, Interkulturelle Bekämpfung von Kinderarmut im Stadtteilladen Heuberg, 3.000,00 Euro

Der Stadtteilladen Heuberg bietet als Familienzentrum Kindern ein Zuhause unabhängig vom Elternhaus. Viele Kinder kommen aus instabilen Familienverhältnissen, einige erleben häusliche Gewalt. Neben einem offenen Freizeitangebot gibt es Nähkurse, einen Leseclub, Kunst- und Bastelangebote, Mädchenprojekte, Spielkreise und Ferienspiele. Die Angebote werden individuell an ihre Erfahrungen und Erlebnisse angepasst. Wichtig ist den Kindern und Jugendlichen Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Anerkennung zu vermitteln und sie damit zu fördern und zu stärken.

Sonderpreis: Frankfurter Jugendring e.V., armTM - Kampagne gegen Kinder- und Jugendarmut, 1.000,00 €

Mit einer Öffentlichkeitskampagne, einem Modelabel sowie einem Ferien-Fonds begegnet der FJR dem Thema Kinder- und Jugendarmut. Das selbst entwickelte Modelabel arm™ versucht mit cooler Streetwear auf das Thema aufmerksam zu machen. Wer die Kleidung kauft und trägt, solidarisiert sich mit der Idee und unter-stützt die Kampagne. Damit wird das Thema Armut in die Öffentlichkeit getragen. Ein Teil des Erlöses fließt in einen Ferien-Fonds. Hierüber werden Ferienfreizeiten und Urlaube für Kinder und Jugendliche finanziert, die es sich sonst nicht leisten können.

Videos zu den Projekten

Das anlässlich der Verleihung gezeigte Bewegtbildmaterial der jeweiligen Ge-winnerprojekte kann unter presse(at)lotto-hessen.de kostenfrei zur freien redaktio-nellen Verfügung angefragt werden. Bitte nennen Sie dabei den oder die Preisträ-ger, der/die Sie interessiert. Sie erhalten dann einen entsprechenden Download-Link.

Mehr zum Hessischen Elisabeth Preis für Soziales und den bisherigen Preisträ-ger*innen finden Sie unter:
www.hessischer-elisabethpreis.de
www.liga-hessen.de

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e. V. ist der Zusammenschluss der sechs hessischen Wohlfahrtsverbände. Sie vertritt die Interessen der hilfebedürftigen und benachteiligten Menschen gegenüber der Politik ebenso, wie die Interessen ihrer Mitgliedsverbände. Mit ca. 7.300 Einrichtungen und Diensten sind die Mitgliedsverbände ein bedeutender Faktor für die Menschen, für eine soziale Infrastruktur und für die Wirtschaft in Hessen.

Nah an den Menschen und ihren Bedürfnissen wissen die rund 113.000 beruflich Beschäftigten und rund 160.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pflegeinrichtungen, Behinderteneinrichtungen, Werkstätten, Tagesstätten, Bildungsstätten, Beratungsstellen, in den Frühförderstellen, ambulanten Diensten und anderen Einrichtungen um die sozialen Belange und die realen Rahmenbedingungen in Hessen. Diese Kenntnisse bringt die Liga in die politischen Gespräche auf Landesebene und mit Verhandlungspartnern und Kostenträgern ein.