Dezember 2017

kanapee: Hilfe in der Not für wohnunglose Menschen

20 Jahre Tagestreff "kanapee" in Hofgeismar und Fachberatung Wohnen im Landkreis Kassel


Sich in einem geschützten Rahmen aufhalten, Essen zubereiten, Wäsche waschen, Duschen – dies können seit 20 Jahren wohnungslose Menschen im Tagestreff "kanapee" in Hofgeismar mit den Außenstellen Wolfhagen, Baunatal und Lohfelden. Die Fachberatung Wohnen hilft Wohnungsverluste zu vermeiden und Wohnungen zu finden. Darüber hinaus bietet das Diakonische Werk Region Kassel in Hofgeismar Übergangswohnungen für Wohnungsnotfälle. Mit dem ambulanten Betreuten Wohnen sollen im gesamten Landkreis Kassel ehemals Wohnungslose wieder integriert werden.

Etwa 100 Besucher/innen und Mitarbeitende kamen am Donnerstag, den 28. September 2017, nach Hofgeismar. Neben einer Vorstellung der Arbeit des Tagestreffs "kanapee" gab es Grußworte zum Thema Wohnungslosigkeit von Susanne Selbert, erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Kassel, Carsten-Jens Reuter, Landeswohlfahrtsverband Hessen, Markus Mannsbarth, Bürgermeister der Stadt Hofgeismar, Katharina Alborea, Diakonie Hessen und Wolfgang Heinicke, Dekan Kirchenkreis Hofgeismar.

Wohnungslosigkeit auf dem Land - Beispiel Landkreis Kassel

Wohnungslosigkeit ist ein landesweites Problem und betrifft nicht nur die städtischen Ballungszentren. Diese Feststellung setzte sich Mitte der 1990er Jahre in der Planungsphase des Angebotes in der Politik, bei den Ordnungsämtern, sozialen Fachdiensten und Kirchengemeinden durch. Die von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen „sitzen nicht alle in Kassel auf dem Friedrichsplatz herum“, es gibt sie auch in den Kommunen des Landkreises. Ein Teil der wohnungslosen Menschen meidet seit jeher die größeren Städte. Der genaue Umfang lässt sich aufgrund einer fehlenden Wohnungsnotfallstatistik nicht beziffern. Vor 20 Jahren waren nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) ca. 860.000 Personen betroffen, in Hessen ca. 50.000 Personen ohne eigene Wohnung, davon die Hälfte Aussiedler in staatlich finanzierten Übergangseinrichtungen. Schätzungen vom November 2017 gehen 2016 ebenfalls von 860.000 Menschen ohne Wohnung aus, wobei davon etwa 440.000 auf die Gruppe der anerkannten Flüchtlinge entfallen, Tendenz steigend.

Mit der Finanzierung der Einrichtung "kanapee" und der Fachberatung Wohnen hat der Landeswohlfahrtsverband Hessen 1997 nicht nur eine Lücke im Landkreis bzgl. des Hilfesystems für Wohnungsnotfälle geschlossen. Erstmals gab es damit in Hessen ein Hilfeangebot mit Außenstellen, das im gesamten Landkreis die Beratung nach örtlichem Bedarf absichert. Vorbeugende Hilfe kann Wohnungslosigkeit zum großen Teil verhindern bzw. Menschen bei der Wiedereingliederung unterstützen. Nach einer Untersuchung der BAGW waren in 2014 in Deutschland 172.000 Haushalte von einem Verlust der Wohnung bedroht. Dabei konnte in 50 Prozent der Fälle die Wohnung durch Prävention erhalten werden.

Die Wahrscheinlichkeit wohnungslos zu werden ist umso größer, je mehr Problemlagen und Risikofaktoren zusammentreffen. Neben der Bearbeitung dieser persönlichen Ursachen von Wohnungslosigkeit in der Fachberatung bedarf es auch sozialpolitischer Akzente. So darf Wohnen nicht zum Luxusgut werden. Perspektivisch wird auch in den Kommunen des Landkreises, in denen es Arbeitsplätze gibt, die Nachfrage nach Wohnraum in den nächsten Jahren steigen und bezahlbarer Wohnraum ohne Gegensteuerung noch knapper.