Juli 2019

Position der Diakonie Hessen zur aktuellen Diskussion rund um die Bertelsmann-Studie

Krankenhäuser als gefährliche Orte?


Stellvertretend für unsere diakonischen Krankenhäuser wenden wir uns entschieden gegen diese Schlussfolgerung der aktuellen Bertelsmann-Studie. Sie sieht Krankenhauspatient*innen in Gefahr und weist sogar auf ein erhöhtes Mortalitätsrisiko hin, das vermeintlich durch die Gestaltung der gegenwärtigen Krankenhauslandschaft droht. Die vorgeschlagene radikale Lösung, fast 2/3 der vorhandenen Krankenhäuser zu Gunsten weniger spezialisierter Großkliniken zu schließen, ist eine gelungene Provokation, um hohe Aufmerksamkeit zu erzielen, wie das bisherige Presseecho zeigt.

Krankenhäuser hatten schon immer eine hohe Bedeutung für die Bevölkerung in ihrem Einzugsgebiet. Sie bedeuten Sicherheit im medizinischen Notfall und werden erlebt als unverzichtbarer Teil der sozialen Infrastruktur - dies umso mehr, je löchriger sich das Netz der ambulanten medizinischen Versorgung darstellt.  Diese Entwicklung der ambulanten Versorgung hat bereits schleichend in einigen Landregionen Hessens eingesetzt und wird sich in der Zukunft noch verstärken. Hinzu kommt die zunehmende Alterung der Bevölkerung, mit der die Wahrscheinlichkeit steigt, stationäre medizinische Behandlung in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits heute sind je nach geografischer Lage eines Krankenhauses mehr als 60 % der Patient*innen im Durchschnitt über 65 Jahre alt.

Evangelische Krankenhäuser verstehen sich keineswegs als medizinisch ausgerichtete Solisten im Gesundheitssystem, wie dies die Studie suggeriert, sondern kooperieren eng mit dem ambulanten und stationären Gesundheits- und Pflegesektor in ihrem Einzugsgebiet. Gemeinsam mit diesen Partnern entwickeln sie regionale Verbundlösungen, um einen wichtigen freiwilligen Beitrag zu einer patientengerechten Versorgung ohne Brüche zwischen dem regionalen Gesundheits- und dem Pflegesektor zu leisten.

Wer fordert, diese Versorgungsstrukturen platt zu machen bzw. auszudünnen, hat die demografische Herausforderung für alle Versorgungssysteme noch nicht verstanden.