November 2019

Stärkere Diakonie vor Ort

Regionale Diakonische Werke im Gebiet der EKHN sollen in gemeinnützige GmbH überführt werden – 180 Vertreter*innen der Mitgliedseinrichtungen entscheiden im Congress Park Hanau über Weiterentwicklung


Der Wohlfahrtsverband Diakonie Hessen stellt sich neu auf und strukturiert seine Diakonischen Werke in der Region um: 2020 soll der Verband seine 17 Regionalen Diakonischen Werke (RDW) auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Diakonie Hessen überführen. Dies ist das Ergebnis der heutigen Mitgliederversammlung, auf der etwa 180 Vertreter*innen der Mitgliedseinrichtungen der Diakonie Hessen im Congress Park Hanau zusammengekommen sind.

„Unsere Mitglieder haben heute den von uns vorgeschlagenen Weg für unsere Regionalen Diakonischen Werke geebnet“, sagt Wilfried Knapp, Vorstand der Diakonie Hessen und designierter Geschäftsführer der neuen Trägergesellschaft. „Ab 2020 begleiten wir die RDW mit ihrer sozialen Beratungsarbeit in den Landkreisen in die Selbständigkeit. Unter dem Dach der Diakonie werden unsere RDW mit ihren über 1.300 Mitarbeitenden weiterhin Teil unserer Solidargemeinschaft sein. Gleichzeitig hat die neu geschaffene Gesellschaft als Verbandsmitglied mehr Raum für Gestaltung und Kooperation mit den Landkreisen, Kommunen und den evangelischen Dekanaten. Ihre sozialen Dienste können sie in Zukunft gemeinwesenorientiert zum Wohle der Menschen, die Hilfe in schwierigen Lebenssituationen benötigen, noch besser erbringen.“

Dr. Harald Clausen, Vorstand der Diakonie Hessen, sagt zur Verselbständigung der regionalen Diakonischen Werke: „Wir sind bereit. Als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege und Werk der Kirchen haben wir seit jeher unsere Mitglieder im Blick. Nun können wir uns als Mitgliederverband noch stärker den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft stellen. In einer Zeit, in der soziale Dienstleistungen viel zu oft eine Frage des Geldes sind, sollen die Menschen wissen: Diakonische Anbieter sozialer Dienste geben ihnen die Art der Unterstützung und Ermutigung, die sie für ein gutes Leben brauchen. Gleichzeitig werden wir weiter unsere Stimme für all diejenigen erheben, die oft ungehört bleiben.“

HINTERGRUND

Trägergesellschaft „Regionale Diakonische Werke in Hessen und Nassau gGmbH“

Zum 1. Januar 2020 soll die „Regionale Diakonische Werke in Hessen und Nassau gGmbH“ als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Diakonie Hessen gegründet werden. Die 17 regionalen Diakonischen Werke, die sich in Trägerschaft der Diakonie Hessen befinden, sollen in die gemeinnützige GmbH übertragen werden. Ihre Dienste soll die Tochtergesellschaft im Sommer 2020 nach einem Teilbetriebsübergang in neuer gesellschaftsrechtlicher Aufstellung aufnehmen. In einem nächsten Schritt wird eine Übernahme der Tochtergesellschaft durch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau angestrebt. Die Verselbständigung der regionalen Diakonischen Werke in Hessen und Nassau wurde 2013 im Zuge der Fusion der beiden Diakonischen Werke in Hessen festgeschrieben. Die neun regionalen Diakonischen Werke auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck sind Mitglieder der Diakonie Hessen und stehen in Trägerschaft der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Jahresabschluss Diakonie Hessen 2018

Die Diakonie Hessen mit ihren 1.698 hauptamtlichen Mitarbeitenden schließt das Jahr 2018 mit einem Betriebsergebnis von etwa einer halben Million Euro ab. Der Überschuss wird vollständig in die Rücklagen eingestellt. Erträgen von rund 110 Millionen Euro, die zu 75 Prozent in den Regionalen Diakonischen Werken in Hessen und Nassau erwirtschaftet wurden, standen Aufwendungen von über 109 Millionen Euro gegenüber.

Mitgliederversammlung

Die Mitgliederversammlung ist das in der Regel einmal im Jahr tagende „Parlament" des evangelischen Wohlfahrtsverbandes. Unter anderem nimmt die Versammlung die Rechenschaftsberichte des Vorstands und des Aufsichtsrats entgegen, genehmigt die Feststellung der Jahresrechnung und wählt aus ihrer Mitte Personen in den Aufsichtsrat.

Diakonie Hessen

Die Diakonie Hessen ist 2013 aus der Fusion des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau und des Diakonischen Werks in Kurhessen-Waldeck hervorgegangen. Sie ist Mitglieder- und Trägerverband für das evangelische Sozial- und Gesundheitswesen auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Die Diakonie Hessen ist als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen, Rheinland-Pfalz und im thüringischen Schmalkalden tätig. Als Träger diakonischer Arbeit beschäftigt die Diakonie Hessen in den Landesgeschäftsstellen in Frankfurt und Kassel, im Evangelischen Fröbelseminar in Kassel, in den Evangelischen Freiwilligendiensten sowie in 17 regionalen Diakonischen Werken in Hessen und Nassau 1.698* Mitarbeitende. Dazu kommen 664 Freiwillige, die sich in einem Sozialen Jahr oder Bundesfreiwilligendienst einbringen. Als Mitgliederverband gehören der Diakonie Hessen zurzeit 446 Rechtsträger an. Dabei handelt es sich um 366 Vereine, Stiftungen und gemeinnützige Gesellschaften sowie die 31 Dekanate der EKHN, 20 Kirchenkreise der EKKW und 29 kirchlichen Zweckverbände. Insgesamt bietet die Diakonie Hessen so etwa 1490 Angebote für die Pflege, Betreuung und Beratung sowie für die Aus-, Fort- und Weiterbildung in den Bereichen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, in der Alten- und Krankenhilfe, Behinderten-, Eingliederungs- und Suchthilfe, Migrations- und Flüchtlingsberatung sowie in der Beratung von Menschen in besonderen sozialen Situationen an. Die Diakonie Hessen und ihre Mitglieder beschäftigen zusammen rund 42.000 Mitarbeitende und erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2018 einen Gesamtumsatz von knapp zwei Milliarden Euro.

*Stand Oktober 2019