Juli 2020

Unerhört. 5 Fragen an…

Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, zu seiner Rundreise durch die Regionalen Diakonischen Werke in Hessen und Nassau


Herr Tag, in den vergangenen zwei Wochen besuchten Sie gleich mehrere Regionale Diakonische Werke in Hessen und Nassau. Was war Ihr Anliegen?
Wir sind als Diakonie Hessen Träger neben den Evangelischen Freiwilligendienste und dem Fröbelseminar in Kassel von insgesamt 17 regionalen Diakonischen Werke im Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Als neuer Vorstandsvorsitzender ist es mir ein großes Anliegen, unsere Mitarbeitenden in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen vor Ort kennen zu lernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Sie haben Ihre Arbeit als Vorstandsvorsitzender am 1. März 2020 aufgenommen. Nun könnte man fragen: Warum besuchen Sie erst jetzt die Einrichtungen?
Quasi mit meinem Start als Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen befanden wir uns in einem Krisenmodus. Die Corona-Pandemie schränkte unsere Arbeit massiv ein. In den Landesgeschäftsstellen wurde vorwiegend mobil gearbeitet, in den Mitgliedseinrichtungen wurden ganze Häuser für den Besucherverkehr geschlossen. Auch in den regionalen Diakonischen Werken musste unter verschärften Bedingungen gearbeitet werden. Da erschien es nicht ratsam, die Mitarbeitenden auch noch mit einem Besuchsprogramm zu belasten. Außerdem waren einige Bereiche nicht zugänglich. Durch die Lockerungen hat sich das Ganze etwas entspannt und ich freue mich, dass wir die Rundreise nun durchführen konnten.

Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?
Es hat mich sehr beeindruckt, mit welch großem Engagement und  hoher Professionalität die Mitarbeitenden in den jeweiligen  - auch ganz unterschiedlichen – Arbeitsbereichen ihre Aufgaben wahrnehmen. Die Bedingungen dafür haben sich durch die Corona-Einschränkungen noch einmal deutlich erschwert. Wie schnell in dieser Zeit z. B. die Betreuungen und Beratungen auf neue Konzepte wie Telefon - oder Videokonferenz umgestellt wurde, hat mich sehr beeindruckt. Daher auch noch einmal an dieser Stelle meinen herzlichen Dank für die geleistete Arbeit!
Darüber hinaus fand ich es ausgesprochen spannend, die Vielfalt in der Landschaft unserer Regionalen Diakonischen Werke zu erleben: je nach Lage und jeweiligen Arbeitsschwerpunkten prägen vor allem die Persönlichkeiten der jeweiligen Leitung das Diakonische Werk und machen es so „unverwechselbar“!

Was nehmen Sie für Ihre politische Arbeit mit?
Die Belange der uns anvertrauten Menschen wie auch natürlich unserer Mitarbeitenden dürfen in dieser schweren Zeit nicht vergessen werden. Dafür werde ich mich auch zukünftig stark einsetzen. Und es muss mehr Geld ins System, damit wir die Maßnahmen zukünftig bei steigenden Kosten finanzieren können. Trotz der drohenden Defizite in den Haushalten der einzelnen Kommune darf nicht an den sogenannten „freiwilligen“ Leistungen gespart werden! Jeder hier investierte Euro trägt dazu bei, dass wir unserer Gesellschaft ein menschliches Antlitz erhalten.

Derzeit befindet sich die Diakonie Hessen in einem Prozess, an dessen Ende die Ausgliederung der regionalen Diakonischen Werke in Hessen und Nassau stehen soll. Können Sie uns etwas über den derzeitigen Stand sagen?
Im Zusammenhang mit der Fusion der beiden Diakonischen Werke in 2013 wurde in der Satzung der Diakonie Hessen festgelegt, dass die 17 regionalen Diakonischen Werke auf dem Gebiet der EKHN aus der Trägerschaft des Verbandes ausgegliedert werden sollen. Dies ist ein langwieriger Prozess, der nun durch die Corona-Pandemie leider noch einmal verzögert wurde. Wir gehen nunmehr davon aus, dass wir im Sommer 2021 rückwirkend zum 1.1.2021 die Ausgliederung vollziehen können. Dafür wird eine neue Gesellschaft gegründet, in der die Werke unter einem gemeinsamen Dach weiterarbeiten können. Für die wichtige Stelle der neuen Geschäftsführung befinden wir uns in der „heißen“ Phase der Auswahl der Bewerbungen und hoffen, Mitte September zu einer Entscheidung gelangt zu sein.