September 2019

„Wohnungslose fallen durch alle Raster“

Zitate, Veranstaltungen und Informationen zum Tag der Wohnungslosen am 11. September


Etwa 3.000 Menschen leben in Hessen dauerhaft auf der Straße. Sie haben es in Hessen weiterhin schwer, eine Wohnung zu finden. Zum Tag der Wohnungslosen am 11. September sagt Wilfried Knapp, Vorstand der Diakonie Hessen: „Wohnungslose Menschen fallen in Hessen durch alle Raster. Noch immer gibt es keine umfassende Statistik, mit der das ganze Ausmaß der Situation der wohnungslosen Menschen erfasst wird. Auch die bisherigen Anstrengungen der Landesregierung mehr und vor allem bezahlbaren Wohnraum zu schaffen reichen nicht aus.“
„Wer einmal auf der Straße lebt, hat schlechte Aussichten wieder auf dem regulären Markt eine Wohnung zu finden“, sagt auch Stefan Gillich, Referent für Wohnungsnotfallhilfe. der Diakonie Hessen. „Wohnungslose Menschen sind doppelte Verlierer. Die derzeitige Wohnungspolitik nimmt vor allem die sogenannte Mittelschicht in den Blick. Doch gerade die Menschen, die schutzlos auf der Straße leben, brauchen unsere Unterstützung. Wir dürfen es nicht zulassen, dass wohnungslose Menschen weiterhin stigmatisiert werden und als „Obdachlose“ auf dem Wohnungsmarkt nicht berücksichtigt werden.“

Aktionen zum Tag der Wohnungslosen

Zum Tag der Wohnungslosen in Deutschland am 11. September macht die Diakonie Hessen auf das Leben wohnungsloser Menschen in Hessen mit Aktionen in den Einrichtungen sowie Gesprächen mit Expert*innen und Betroffenen aufmerksam.

Bad Hersfeld
11 bis 16 Uhr Infostand am Lullusbrunnen von der Fachberatungsstelle für Wohnungslose und Obdachlosenaufenthalt der Diakonie und der Wohnraumhilfe, Angebot von Kaffee und Kuchen.
13 bis 15 Uhr Filmvorführung: „Draußen“
14 bis 16 Uhr: Ein wohnungsloser Mensch erzählt von seinen Erfahrungen mit anschließender Diskussion. Außerdem gibt es eine kleine Fotoausstellung zu den Schlaf- und Aufenthaltsplätzen von Wohnungslosen.
 

Rüsselsheim
Ab 11:00 Uhr Infostand auf dem Marktplatz mit „Pech-Rad“ und Informationen zur desolaten Gesundheitsversorgung wohnungsloser Menschen

Wiesbaden
11 bis 16 Uhr am Mauritiusplatz: interaktive Informationsstände, an denen Passanten Containersimulation (Grundriss eines Wohncontainers); z. B. Zahlen bestimmten Fakten zur Wohnungslosenproblematik zuordnen; Simulation von Laufwegen, die Wohnungslose in Wiesbaden unternehmen müssen, um Leistungen zu erhalten; Un-Glücksrad‘; Wichtiges und Unwichtiges zum Überleben auf der Straße; SGB II-Antrag in fremder Sprache unter Zeitdruck ausfüllen, eine thematische Stadtführung „Zu Hause auf der Straße“


Darmstadt
Ab 13 Uhr feiert das Wohn- und Übernachtungsheim Z14 (Zweifalltorweg 14, Darmstadt) 50-jähriges Jubiläum; Grußworte u.a. der Stadträtin Barbara Akdeniz und Fachvortrag von Wohnungslosenexperte Stefan Gillich. Im Anschluss wird gegrillt und es gibt ein „buntes Rahmenprogramm“

Weitere Informationen


Aktionsprogramm „Wohnungslosigkeit überwinden“
Die Diakonie Hessen fordert von der Politik ein landesweites Aktionsprogramm, um die Wohnungslosigkeit zu überwinden. Es sieht folgende Maßnahmen über die nächsten Jahre vor:

 

  • Erstellung von mindestens 40 Prozent der Neubauten als sozial geförderten Wohnraum, sowie Schaffung von 20 Prozent preisgünstigen Wohnraum
  • Einführung einer landesweiten integrierten Wohnungsnotfallstatistik;
  • Landesweite Untersuchung zu Umfang, Struktur und Hilfen für Menschen in Wohnungsnotlagen;
  • Förderprogramm zum Aufbau kommunaler Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungsverlusten im ländlichen Raum;
  • Förderprogramm „Pro Wohnen“ zur Förderung von Netzwerken zur Prävention von Wohnungsverlusten und zur Erschließung von Wohnraum 

Wohnungsnotfallhilfe Diakonie Hessen
In etwa 40.000 Beratungsgesprächen jährlich unterstützen die Mitarbeitenden in den Diensten und Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Hessen Ratsuchende. Rund 250.000 Besuche und Kontakte gab es 2018 in den 85 verschiedenen Diensten und Einrichtungen für wohnungslose Menschen an 15 verschiedenen Standorten der Diakonie Hessen. Dazu gehören Fachberatungsstellen, aber auch Tagesaufenthalte mit Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Einrichten einer Postadresse, Gelegenheit zum Wäschewaschen, Trocknen, zur Körperpflege oder auch zur Zubereitung von warmen Mahlzeiten. Darüber hinaus bieten Einrichtungen Übernachtungs- und Wohnmöglichkeiten oder betreutes Wohnen an. Zudem gibt es Streetwork und an sechs Standorten eine medizinische Erstversorgung.

Zahlen zur Wohnungsnotfallhilfe
In Hessen gibt es keine landesweite umfassende Wohnungsnotfallberichterstattung. Gesicherte Informationen über Umfang, Struktur und Hilfen für Menschen in Wohnungsnotlagen liegen ebenso wenig vor wie eine Übersicht über die Anzahl wohnungsloser Menschen. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen erfasst daher alle zwei Jahre flächendeckend diejenigen Menschen, die an einem bestimmten Tag (dem Stichtag) die Dienste und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe der ihr angeschlossenen Verbände in Anspruch nehmen bzw. aufsuchen. Die Diakonie Hessen ist einer von sechs Verbänden, die sich in der Liga Hessen zusammengeschlossen haben. Gemeinsam setzen sie sich für optimale soziale Rahmenbedingungen für die Menschen in Hessen ein. www.liga-hessen.de

Kampagne „Jeder Mensch braucht eine Wohnung“
Mit der Kampagne „Jeder Mensch braucht eine Wohnung“ macht die Diakonie Hessen auf die Situation von wohnungslosen Menschen aufmerksam. Mit Plakaten und Postkarten kämpft die Diakonie Hessen gegen die Stigmatisierung der Wohnungslosen an und wirbt um Unterstützung und für Spenden. Mehr Informationen zur Kampagne und zur Situation der Wohnungslosen finden Sie unter www.jeder-mensch-braucht-eine-wohnung.de