Offener Brief an Pflegende

Liebe Pflegende,

Sie tun gerade Ihr Möglichstes, um besonders gefährdete Menschen vor dem Covid-19-Virus zu schützen. In diesen schweren Zeiten spüren wir alle einmal mehr, wie wichtig Pflege und Ihre Sorgearbeit ist. Für andere da zu sein und sie zu pflegen, gilt nun als „systemrelevant“.

Für Ihr großes Engagement möchten wir Ihnen unseren tiefen Dank und unsere große Anerkennung aussprechen. Sie sorgen dafür, dass kranke und pflegebedürftige Menschen weiterhin in Würde leben können und bisher von der Pandemie weitgehend verschont geblieben sind.

Zum Internationalen Tag der Pflegenden wollten wir Ihnen in diesem Jahr mit dem Gedicht „Ihr seid da“ Danke sagen. Wir haben dazu ein Video erstellen lassen (www.diakonie-gap.de). Als es gedreht wurde, war von der Corona-Pandemie noch nichts zu spüren. Mittlerweile haben manche Worte des Gedichts sogar eine tiefere Bedeutung bekommen. So heißt es: „Ihr seid immer da, auch in diesem Moment, auch wenn man euch nicht sieht, auch wenn man euch nicht kennt“ und an einer anderen Stelle „Egal was die Arbeit abverlangt, ihr seid da.“.
Unserer Gesellschaft leisten Sie einen wichtigen Dienst. Dafür erhalten Sie Applaus, über den man sich freuen kann. Mit Applaus allein ist es aber nicht getan. Damit Sie nicht ständig an die Grenzen Ihrer Belastbarkeit kommen, brauchen Sie bessere Rahmenbedingungen für Ihre Arbeit.

Wir möchten Ihnen versichern, dass wir uns trotz erheblicher Widerstände der Kranken- und Pflegekassen dafür seit langem nachdrücklich einsetzen.
Sie geben gerade jetzt in Krankenhäusern, ambulanten Pflegediensten und in Pflegeeinrichtungen Ihr Möglichstes, dass Menschen gut gepflegt werden. Und Sie leben mit der ständigen Sorge, es könnte jemand an Covid-19 erkranken. Hinzu kommt die Herausforderung, den Beruf mit den familiären Anforderungen in Einklang zu bringen. Das war schon vor der Corona-Pandemie nicht leicht. Einige von Ihnen werden zudem beim Einkaufen und an anderen öffentlichen Orten gemieden bzw. ausgegrenzt - aus Angst, man könnte sich durch Sie infizieren. Das ist nicht hinzunehmen!

Sind Sie pflegende/r Angehörige/r, dann sind in Zeiten des Kontaktverbots wichtige Unterstützungsangebote durch Betreuungskräfte, Tagespflegen oder Beratungsstellen weggefallen. Die meisten von Ihnen müssen die Pflege nun fast ganz alleine bewältigen. Diese 24 h-Aufgabe ist enorm kräftezehrend und anstrengend.

Auch Ihr Engagement soll nicht im Verborgenen bleiben und am Tag der Pflege ausdrücklich mitbedacht und anerkannt werden. Diese Covid-Zeit ist sehr Kräfte zehrend und anstrengend für Sie. Wir tun unser Möglichstes, damit Sie wohlbehalten und gesund bleiben. Möge Sie dabei der Segen Gottes begleiten, der uns sagt: „Der Herr, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände!“ (5. Buch Mose Kap. 2,7)

Bleiben Sie behütet!

Das wünschen Ihnen

Beate Hofmann
Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

Ulrike Scherf Stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Carsten Tag
Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen

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