Kinder und Familien vor Armut schützen


Situation

Jedes fünfte Kind in Hessen ist von Armut bedroht. Ein Aufwachsen in Armut belastet Eltern und Kinder. Es geht oft mit beengtem Wohnraum, wenig Geld für gesundes Essen, Hobbies oder Urlaub einher. Dazu beeinträchtigt Kinderarmut die Chancen für das ganze Leben: die Teilhabe an der Gesellschaft ist ebenso eingeschränkt wie die Teilhabe an Bildung und damit die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg.

Das höchste Armutsrisiko in Hessen haben Alleinerziehende – über 40 Prozent von ihnen sind von Armut bedroht. Oftmals sind es die Mütter, die alleinerziehend, und damit in ihrer Erwerbsarbeit massiv eingeschränkt sind. Auch trotz Transferleistungen bleiben sie ohne ein existenzsicherndes Einkommen für ihre Familie.

Beispiel

Die 28-jährige Erika ist alleinerziehende Mutter eines Kindes im Alter von sechs Jahren. Sie hat eine Ausbildung als Bürokauffrau absolviert. Vom Vater des Kindes lebt sie getrennt. Dieser ist Student und ohne eigenes Einkommen. Erika erhält keine Unterstützung von ihren Eltern und hat für ihr Kind keine verlässliche Ganztagsbetreuung. Sie hatte im letzten Jahr mehrere schlecht bezahlte und unsichere Minijobs bei verschiedenen Firmen. Derzeit lebt sie mit ihrem Kind von Arbeitslosengeld II und vom Kindergeld. Da ihre Miete nicht vollständig vom Amt übernommen wird, verringert sich der Betrag, den sie monatlich zur Verfügung hat, noch einmal. Die Familie lebt damit unter dem existentiellen Minimum
und verfügt über keinerlei Ressourcen für eine normale Teilhabe an der
Gesellschaft. Erika hat keine berufliche Perspektive, die sie mit der Erziehung ihres Kindes und der Führung ihres Haushaltes in Einklang bringen kann.

Position der Diakonie Hessen

Die Diakonie Hessen sieht es als eine staatliche Pflicht und als Menschenrecht
an, jedem Kind ein Aufwachsen ohne Armut zu ermöglichen. Sie fordert, dass die
Verhinderung von Armut und die Gewährleistung von Teilhabechancen bei familienpolitischen Leistungen im Vordergrund stehen.

Das heißt konkret:

  • Schaffung von auskömmlicher Erwerbsarbeit, bei der die Vereinbarkeit von
    Familie, Haushalt und Beruf beachtet wird.
  • Sicherstellung einer verlässlichen Infrastruktur und angemessenen Qualität der Ganztagsbetreuung.
  • Einführung einer einheitlichen Kindergrundsicherung, die am Bedarf des Kindes orientiert ist.