Tipps für das KollektensammelnIdeen zur Optimierung von Spenden in Gottesdiensten

1. Wer gibt am Ausgang des Gottesdienstes eine Spende?

Die Gottesdienstbesucher/innen und somit auch Kollektengeber/innen sind vermutlich mehrheitlich:

  • älter als 60 Jahre
  • weiblich
  • kennen die Gemeinde seit Jahrzehnten
  • besuchen die Gottesdienste seit Jahrzehnten
  • geben ihre Kollekte durchaus gerne
  • geben ihre Kollekte in maßvoller Höhe, weil häufig
  • geben nur selten keine Kollekte, nämlich wenn ihnen der Kollektenzweck total missfällt
  • hören den Kollektenzweck in der Abkündigung i.d.R. erstmals

2. Folgerungen für die Kollektenbitte in „normalen" Gottesdiensten

  • Sie geben sich richtig Mühe mit den Formulierungen.
  • Sie verwenden keine Fremdwörter (die mögen älteren Menschen nicht).
  • Sie sagen kurze und eindeutige Sätze (die mit einmal Hören erfassbar sind)
  • Verben (nicht Substantive) machen das Gesagte anschaulich und lebendig
  • Die Sätze folgen der Logik: Dank für die Kollekte vom Vorsonntag, Nennung des heutigen Kollektenzwecks, Notwendigkeit des Zwecks, Nutzen der Realisierung des Zwecks, Kosten, vorhandene Mittel, somit fehlende Mittel, Zeitziel für die Realisierung (wenn möglich), Einladung zur Besichtigung (wenn möglich), Ort weiterer Information (wenn vorhanden), Bitte um die Kollekte, herzlicher Dank im Voraus.

3. Beispiel-Bitte

„Herzlich danke ich Ihnen für die Kollekte vom vergangenen Sonntag. Für neue Gesangbücher wurden 174 Euro gespendet. Heute erbitte ich Ihr Opfer für einen neuen Schaukasten vor dem Gemeindehaus. Den müssen wir neu anschaffen, weil der seitherige Schaukasten erstens ziemlich herunter gekommen und zweitens schlicht zu klein ist. Wir haben oft so schöne Plakate für Konzerte oder die Kinderbibelwoche. Aber der Platz reicht meistens nur für ein Plakat. Das ist schade, denn es gehen sehr viele Menschen an dem Schaukasten vorbei und lesen, was dort angezeigt wird. Der neue Schaukasten kostet 750 Euro. 500 Euro haben wir im Haushalt dafür vorgesehen. Wenn Sie heute so großzügig opfern, dass 250 Euro zusammen kommen, können wir den Schaukasten bereits in zwei Wochen aufstellen. Andernfalls müssten wir die Anschaffung auf das nächste Jahr verschieben, und das wäre schade. Denn wir haben viele Veranstaltungen im Advent, für die wir im Schaukasten werben könnten. Ich bitte Sie also um Ihre Kollekte für den neuen Schaukasten und danke Ihnen schon im Voraus sehr herzlich.“

4. Warum die Gemeinde dennoch nicht mehr als sonst oder gar nichts gibt

  • Der/die Gottesdienstbesucher/in hat ein fixes Kollekten-Budget, das er/sie von zuhause mitnimmt – und fertig, mehr gibt’s nicht.
  • Der/die Gottesdienstbesucher/in hört auch gar nicht mehr genau zu bei den Kollektenankündigungen, schließlich besucht er/sie seit Jahrzehnten den Gottesdienst – die Kollektenbitte rauscht  vorbei, weil es da selten etwas Neues zu hören gibt.
  • Der/die Gottesdienstbesucher/in hat zwar zugehört, fühlt sich aber von dem neuen Schaukasten emotional nicht besonders ergriffen; sieht auch nicht, was er/sie persönlich von dem Schaukasten hat, denn er/sie liest den Gemeindebrief genau und weiß daher, was zu wissen ist, ohne den Schaukasten – da kann man nichts machen.
  • Der/die Gottesdienstbesucher/in findet, dass es viel wichtiger wäre, bedrohten Christen in Beirut Bibeln zu schicken – aber das ist halt heute nicht der Kollektenzweck.

5. Was zu tun ist

AIDA = Attention, Interest, Desire, Action

  • Erhöhte Aufmerksamkeit (attention) erzielen durch überraschende Formulierungen in der Kollektenbitte.

Zum Beispiel: „Einen Spezialauftrag hatten unsere Konfirmanden vergangene Woche. Jeder musste eine Stunde unseren Schaukasten vor dem Gemeindehaus beobachten. Dabei haben sie erstens notiert, wie viele Menschen davor stehen blieben, um etwas im Schaukasten anzuschauen oder zu lesen. Und sie haben zweitens diese Menschen gefragt, wie wichtig ihnen der Schaukasten ist. Das Ergebnis war erstaunlich: Durchschnittlich acht Menschen pro Stunde sind stehen geblieben und sieben von acht haben gesagt, sie fänden den Schaukasten sehr wichtig. Das hätte ich kaum erwartet; Sie vermutlich auch nicht …“ (es folgt die eigentliche Kollektenabkündigung).

  • Die erzielte Aufmerksamkeit dazu nutzen, dass die Gottesdienstbesucher/innen sich noch weiter für das Thema interessieren (interest).

Zum Beispiel: „Die Ergebnisse der Schaukasten-Befragung können Sie nach dem  Gottesdienst im Kirchenvorraum auf Plakaten lesen.“ Oder (wenn noch Geld für die neue Heizung fehlt): „Genaue Informationen zu unserer Energiebilanz liegen im Kirchenvorraum aus.“

  • Den Wunsch erzeugen/dem Wunsch entsprechen (desire), an dem Missstand etwas ändern zu wollen. Zum Beispiel: „Sicher finden auch Sie es gut und wollen dabei helfen, dass wir künftig noch mehr von unserer Gemeindearbeit im Schaukasten veröffentlichen können.“
  • Ein niederschwelliges Handlungsangebot (action) machen, durch die Möglichkeit sogleich ausgangs des Gottesdienstes eine großzügige Kolekte zu geben.

Alternativangebot: Spende per Überweisungsträger, der bei den Konfirmanden-Plakaten ausliegt. Zusatznutzen: die Spende ist dann auch noch steuerlich absetzbar.

6. Was auch sinnvoll ist

Der/die Gottesdienstbesucher/in spendet im Prinzip für fast jeden abgekündigten Zweck. Aber es gibt auch andere Menschen: sie spenden nur, wenn ihnen das Projekt nahe ist, wenn es zu ihnen passt, wenn es ihnen von Nutzen ist. Von daher macht es Sinn, die Kollektenzwecke von den jeweiligen Gottesdienstarten abzuleiten und diesen entsprechen zu lassen. Denn je nach Gottesdienstart haben wir andere Besucher/innen. Die Interessen- und Nutzergruppen sind dann spezifischer fassbar. Oder wir platzieren die Bitten in eine zeitliche Nähe zu äußeren Anlässen. Zum Beispiel sammeln wir:

  • für die Energiekosten am Umweltsonntag
  • für den Kindergarten am Erntedankfest, bei dem Kinder mitwirken
  • für die Jungschar am Taufsonntag
  • für den Gemeindebrief oder Konfirmandenbibeln nahe dem 23. April (UNESCO-Welttag-des-Buches)
  • für die vielen Gruppen und Kreise an Pfingsten („Geburtstag“ der Kirche)

7. Was niemand erwartet

Wenn Sie im Zusammenhang mit der Kollektenbitte etwas tun, was niemand erwartet, verstärken Sie dadurch die Bitte, denn Sie

  • machen deutlich, wie wichtig Ihnen der Zweck ist
  • lösen Gefühle wie Anerkennung, Zustimmung, Freude, Begeisterung aus
  • machen Ihre Kollektenbitte zum Gesprächsstoff

Ideen, die niemand erwartet:

  • Nicht Sie, sondern die Konfirmanden erzählen, was sie gemacht haben und warum.
  • Sie haben den Schaukasten – in zuversichtlicher Hoffnung auf die spendenfreudige Gemeinde – bereits gekauft und zeigen/enthüllen ihn im Gottesdienst und würden ihn morgen aufstellen lassen, aber noch ist die Rechnung nicht bezahlt.
  • Sie geben ausgangs des Gottesdienstes jedem/jeder Besucher/in eine kleine farbige Glasperle mit: Zeichen des Dankes fürs Schaukasten-Opfer.
  • Sie geben solche Zeichen des Dankes nicht nur einmal mit, sondern immer wieder; aber nicht jedes Mal, sonst wird’s berechenbar; es soll stets unerwartet sein, aber eben doch so häufig, dass die Gottesdienstbesucher/innen sich jeden Sonntag gespannt fragen, was Sie sich dieses Mal ausgedacht haben. Also:
    • von der Jugendgruppe originell bemalte, alte Glühbirnen, wenn für neue Strahler gesammelt wird
    • eine Postkarte der Partnerkirche in Thüringen, wenn für die dortige Gemeinde gesammelt wird
    • ein Pappumschlag/eine Sichthülle (allerdings leer), in welchem die Materialien für die Fortbildung der Jugendmitarbeiter drin wären
    • eine Feder, wenn Sie ein Projekt haben, bei dem man sich ausnahmsweise mit „fremden Federn schmücken“ darf (Weltmission machen wir nicht hier vor Ort, das machen andere stellvertretend)
    • eine Blume (die meisten Gottesdienst Besucher/innen sind weiblich!), wenn für den Küstervertretungsdienst gesammelt wird, weil die Blumendeko wichtiger Teil der Küstertätigkeit ist
    • ein Tütchen Blumensamen, wenn die Saat der Erzieherinnen aufgehen soll
    • ein aus Lebkuchenteig gebackener Notenschlüssel, wenn für Kirchen- oder Posaunenchor gesammelt wird

Gewiss, so etwas ist jedes Mal eine kleine (finanzielle oder zeitliche) Investition. Aber nur wer diese wagt, der weiß, ob sie sich lohnt. Es lohnt auf jeden Fall, was den Kommunikationswert (im Sinne einer Charme-Offensive) anbelangt, der in solchen Überraschungsgaben steckt. Allerdings: wenn man so etwas beginnt, muss man es auch regelmäßig wiederholen, also übers Jahr verteilt zwischen zehn und fünfzehn Mal.

PS: Wenn der/die Gottesdienstbesucher/in dennoch lieber für Bibeln nach Beirut opfert statt für den Schaukasten, dann sind wir so frei und freuen uns auch darüber.

Kontakt

Pfarrer und Fundraiser
Helmut Liebs
Evangelische Kirche in Württemberg  
helmut.liebs(at)elk-wue.de