Mit einem Schlafsack ein bisschen Sicherheit schenken

Die Diakonie Hessen hat 200 Schlafsäcke an ihre Einrichtungen für wohnungslose Menschen verteilt. Darunter ist auch das Diakoniezentrum Weser5, das mitten in Frankfurts Bahnhofsviertel Betroffenen Hilfe bietet. Der Verbrauch an Schlafsäcken ist hier ganzjährig hoch. Michael H. ist einer der Klienten.

Seit über 20 Jahren lebt Michael H. auf der Straße. Sein letzter Schlafsack wurde ihm gestohlen. Die Sitten seien verroht, sagt der 41-Jährige, der extra für die Ausgabe des neuen Schlafsacks seine Habseligkeiten allein gelassen hat und damit den Verlust seiner „Platte“ riskiert. Die Schlafsackaktion der Diakonie Hessen komme ihm gerade recht. Jedes Jahr verteilt Weser5 mindestens 300 Schlafsäcke kostenlos an Menschen, die auf der Straße leben. Die Spende der Diakonie Hessen entlastet das Diakoniezentrum nun. Bettina Bonnet, Sozialarbeiterin bei Weser5 und direkte Ansprechpartnerin für die wohnungslosen Menschen, erklärt: „Unsere Klienten verbrauchen oft bis zu drei Schlafsäcke im Jahr. Manche verschimmeln, weil sie nach Regentagen nicht mehr richtig trocknen. Es kommt auch vor, dass die Schlafsäcke von Dieben auf der Suche nach Wertgegenständen aufgeschlitzt werden. Sogar untereinander werden die Schlafsäcke gestohlen – leider.“

Ein Schlafsack ist nur der Anfang

Viel lieber als Schlafsäcke verteilen, würde Bonnet ihren Klienten direkt eine Wohnung vermitteln. Doch in Frankfurt sei wie in vielen Städten günstiger Wohnraum rar. Bonnet: „Wir suchen dringend bezahlbare Wohnungen für unsere Klienten.“ Häufig scheitere eine Vermittlung weg von der Straße, weil die Kosten für den Wohnraum zu hoch für die Übernahme durch die Jobcenter oder Grundsicherungsträger seien. Ein weiteres Problem sei die soziale Ausgrenzung der wohnungslosen Menschen. „Wer will schon gerne an jemanden vermieten, der 20 Jahre auf der Straße gelebt hat? Viele sind damit überfordert oder fürchten um ihre Einnahmen“, ergänzt Bonnet. „Es gibt noch viele Vorurteile auszuräumen. Unsere Klienten stehen in Konkurrenz mit anderen Wohnungsbewerbern und sind dabei meist benachteiligt.“ Michael H. träumt zwar von einer eigenen Wohnung, ihn hindere jedoch seine Angst vor geschlossenen Räumen, ein Angebot des Diakoniezentrums anzunehmen. „Ich hätte gerne wieder ein normales Leben. Doch in den letzten Jahren habe ich sogar die Notunterkunft von Weser5 nur selten benutzt“, erklärt Hornbach. „Man kann niemanden zwingen“, sagt Bonnet. „Manchmal muss man damit leben, dass Menschen die Hilfe nicht direkt annehmen wollen. In einigen Fällen kann es sogar Jahre dauern, bis sie bereit sind etwa einen Notschlaf- oder Wohnheimplatz anzunehmen. Trotzdem tut es gut, wenn man wie heute mit einem neuen Schlafsack schon etwas dazu beitragen kann, einem Klienten ein bisschen Sicherheit zu schenken.“ (Autorin: Yvonne Burger)

WESER5 Diakoniezentrum

Das WESER5 Diakoniezentrum ist eine Einrichtung des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main. Hier finden obdach- und wohnungslose Menschen die ganze Palette der Wohnungsnotfallhilfe. Neben niedrigschwelligen Versorgungsangeboten (Essensangebote, Sanitäre Einrichtungen, Kleiderkammer, Notübernachtung etc.) über verschiedenste Beratungsangebote (Aufsuchende Sozialarbeit, Beratung in sozialen Fragen, muttersprachliche Beratung für EU-Bürger in prekären Lebenszusammenhängen) bis hin zu längerfristigen Betreuungsangeboten im Übergangswohnhaus bietet die WESER5 ein umfassendes Hilfeangebot.
Zum WESER5 Diakoniezentrum gehören: Straßensozialarbeit, Tagestreff, soziale Beratungsstelle, Notübernachtung, Übergangswohnhaus „Haus der Diakonie“, aufsuchende Sozialarbeit am Flughafen, MIA Multinationale Informations- und Anlaufstelle für EU-Bürger (ökumenisches Projekt mit dem Caritas Verband Frankfurt).