April 2020

Covid 19-Maßnahmen lassen negative Altersbilder aufleben

Diakonie Hessen-Vorstand Carsten Tag zum Internationalen Tag der älteren Generation: Alte Menschen brauchen unsere Solidarität


Vorstandsvorsitzender Carsten Tag (Foto: Kai Fuchs)
 

Vorstandsvorsitzender Carsten Tag (Foto: Kai Fuchs)

Durch unsere weitgehend in die Wohnungen verbannte Gesellschaft geht augenblicklich eine beispiellose Solidarität. Menschen bieten sich an, für besonders von Covid 19 gefährdete Personen einkaufen zu gehen. Hilfsplattformen entstehen, Ideen und Tipps werden gegeben, wie das Familienleben in Zeiten von Corona gestaltet werden kann. Doch diese von vielen Menschen neu entdeckte Solidarität zeigt auch erste Risse - gerade zwischen alten und jungen Menschen. Eine Ursache hierfür ist das immer wieder beschriebene hohe Ansteckungsrisiko für Covid 19 und der bedrohliche Krankheitsverlauf vor allem bei älteren Menschen. Zum Internationalen Tag der älteren Generation sagt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen:
 
„Die Maßnahmen zum Schutz vor Covid 19 haben paradoxe Konsequenzen. Sie führen dazu, dass alte Menschen die Wohnung nur noch zum Einkaufen oder Arztbesuch verlassen. Mehr als ein Drittel der über 70-Jährigen lebt ohnehin alleine im Haushalt. In Covid 19-Zeiten bedeutet dies Selbstisolation mit bisher unabsehbaren psychosozialen Folgen.
 
Viele ältere Menschen äußern, dass sie sich schämen, weil sie sich verantwortlich fühlen für die gegenwärtigen strengen Maßnahmen des Infektionsschutzes. Gleichzeitig gibt es Fälle, dass sie beschämt werden durch aggressive Mitmenschen, die sie in der Öffentlichkeit anhusten und beschimpfen. Hinzu kommen Stimmen aus Politik und Wirtschaft, die fragen, wie lange die Wirtschaft wegen dieser Risikogruppe stillstehen solle. Sie stellen den Tod vieler alten Menschen als notwendigen „Kollateralschaden“ dar, den es in Kauf zu nehmen gilt.
 
Wir dürfen alte Menschen nicht alleine lassen und als Risikogruppe diskriminieren. Wir haben lange daran gearbeitet, dass das frühere Bild alter Menschen als gesellschaftliche Belastung korrigiert wird. Es darf nicht sein, dass dieses Bild nun wieder auflebt. Von Anfang bis Ende füreinander einstehen, das gilt auch in Corona-Zeiten. Lassen Sie uns Ja sagen zu uneingeschränkter Solidarität – mit und ohne Covid 19 – in einer Gesellschaft, die füreinander da ist und aufeinander achtet.“