August 2019

Der Abstand zwischen Einkommens-Reichen und Personen mit geringem Einkommen wird in Hessen immer größer.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Meldung der Diakonie Hessen.


Der Verband betont im Anschluss an die am Donnerstag, dem 8. August 2019 veröffentlichen Zahlen des Statistischen Landesamtes, dass zwar die Zahl der Großverdiener in Hessen zuletzt deutlich angestiegen ist. Zugleich stehen den 1.842 Einkommensmillionären jedoch fast eine Million Menschen gegenüber, die über ein so geringes Einkommen verfügen, dass sie als armutsgefährdet gelten.

„Die Armut inmitten des Reichtums wächst. Wir sollten vor diesem Fakt nicht die Augen verschließen“, sagt Dr. Felix Blaser, Referent für Armutspolitik bei der Diakonie Hessen. Der Hessische Rundfunk hatte die Meldung des Statistischen Landesamtes gestern zum Anlass genommen, den Hochtaunuskreis als „Hotspot der Superreichen“ zu bezeichnen. Im Verhältnis zu den Normalverdienern gäbe es hier die höchste Millionärsdichte (27,8 Einkommensmillionäre je 10.000 Steuerpflichtige.)
Auch hier gelte es, beide Seiten der Medaille zu betrachten. Zwar sei die Zahl der Einkommensmillionäre im Hochtaunuskreis zuletzt um 25 Personen auf 330 gestiegen, zugleich habe sich in den letzten acht Jahren die Zahl der Empfänger von sozialen Mindestsicherungsleistungen kontinuierlich auf zuletzt rund 15.000 Personen erhöht.

Arm zu sein in einem Landkreis, in dem die Lebenshaltungskosten hoch sind, sei besonders schwer, sagt Blaser, da der Regelsatz der Grundsicherung (derzeit 424 Euro pro Monat für einen Einpersonenhaushalt) nicht an diesen hohen Standard angepasst sei. Dadurch seien die Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und sozialen Teilhabe hier deutlich stärker eingeschränkt. „Ein unbeschwerter Abend im Theater oder Kino ist für viele Empfänger von Grundsicherungsleistungen kaum möglich. Und parallel zum Reichtum wächst die Armut.“ Blaser ergänzt: „Wir als Wohlfahrtsverband sind mit unseren Einrichtungen täglich mit Menschen in Kontakt, die von Armut betroffenen sind. Wir merken, dass unsere Anstrengungen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und gesellschaftliche Integration zu ermöglichen, stark nachgefragt werden. Wir sind mit hohem Engagement dabei, Menschen mit sehr kleinem Budget einen Zugang zum kulturellen und sozialen Leben zu ermöglichen und ihnen zu einem guten und selbstbestimmten Leben zu verhelfen. Zugleich fordern wir aber auch weitere armutsbekämpfende und -verhindernde Maßnahmen von der Hessischen Politik.“
Neben einer Kindergrundsicherung braucht es eine landesweit agierende Koordinationsstelle, die sich der Prävention von Armut, der weiteren Bekanntmachung und Initiierung von gelungenen Beispielen und der dauerhaften Vernetzung von Land und Kommunen, öffentlichen und freien Trägern sowie Initiativen widmet. Auch sei der im Koalitionsvertrag angekündigte Hessenpass zur Nutzung der Angebote von Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie Einrichtungen des Landes endlich zu realisieren. „Wir können es uns als Gesellschaft auf Dauer nicht leisten, diesem Automatismus der Ungleichheit immer weiter zuzusehen“, so Blaser abschließend.

Empfänger von sozialen Mindestsicherungsleistungen im Hochtaunuskreis

jeweils zum 31.12. des Jahres

2014

2015

2016

2017

Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem SGB II

9.153

9.516

10.213

11.416

Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen nach dem SGB XII

202

170

152

 

148

Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
nach dem SGB XII

2.137

2.173

2.206

2.311

Regelleistung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

836

1.942

1.650

1.011

Empfänger von sozialen Mindestsicherungsleistungen insgesamt

12.328

13.801

14.215

14.886

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, eigene Berechnungen

Für Rückfragen:
Dr. Felix Blaser, Referent für Armutspolitik, Diakonie Hessen
T +49 69 7947 6321
felix.blaser@diakonie-hessen.de