April 2017

Durch Fünften Armuts- und Reichtumsbericht wurde „Stimme der Armen deutlich geschwächt“

Diakonie-Vorsitzender Horst Rühl: „Passgenaue Maßnahmen zur Vermeidung und Bekämpfung von Armut notwendig“


Den gestern vom Bundeskabinett beschlossenen Fünften Armuts- und Reichtumsbericht sieht die Diakonie Hessen, auch wenn die Berichterstattung grundsätzlich zu begrüßen sei, kritisch. Als besonderes Novum sei durch die Bundesregierung herausgestellt worden, dass bei diesem Bericht erstmals neben Wissenschaftlern und Verbänden auch Betroffene angehört wurden. Allerdings seien die Ergebnisse des vorausgegangenen Workshops mit von Armut betroffenen Menschen nur in Form eines Exkurses in dem Bericht zu finden. „Die Stimme der Armen wurde damit deutlich geschwächt, wenn nicht sogar ausgeblendet. Das ist fragwürdig“, so Pfarrer Horst Rühl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen.

Im Blick auf den zweiten Hessischen Landessozialbericht sagte der Diakonie-Vorsitzende außerdem: „Beim zweiten Hessischen Landessozialbericht werden wir darauf achten, dass die Stimme der Armen hörbar wird. Konkret werden in diesem Bericht von Armut betroffene Menschen zu Wort kommen und über ihre Situation berichten. Darauf haben die kirchlichen Wohlfahrtsverbände großen Wert gelegt.“ 

„Auch was die gerechte Teilhabe aller angeht, ist in unserer Gesellschaft viel nachzuholen. Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein. Alter und Arbeitslosigkeit dürfen nicht zu Ausgrenzung führen“, so der Theologe. Außerdem seien passgenaue politische Maßnahmen zur Vermeidung und Bekämpfung von Armut notwendig: „Etwa durch bezahlbaren Wohnraum sowie Löhne und Sozialleistungen, von denen Menschen leben können, ohne von Armut bedroht zu werden. Das Vermögen in unserem Land ist weiterhin ungerecht verteilt. Hier ist die Politik gefordert, Ausgleich zu schaffen und damit eine dauerhafte Spaltung der Gesellschaft zu vermeiden“, sagte Diakonie-Vorsitzender Rühl.

Der gestern beschlossene Fünfte Armuts- und Reichtumsbericht skizziert auf über 700 Seiten die „Lebenslagen in Deutschland“.

Stichwort: Diakonie Hessen

Die Diakonie Hessen ist 2013 aus der Fusion des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau und des Diakonischen Werks in Kurhessen-Waldeck hervorgegangen. Sie ist Mitglieder- und Trägerverband für das evangelische Sozial- und Gesundheitswesen auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Die Diakonie Hessen ist als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen, Rheinland-Pfalz und im thüringischen Schmalkalden tätig. Als Träger diakonischer Arbeit beschäftigt die Diakonie Hessen in den Landesgeschäftsstellen in Frankfurt und Kassel, im Evangelischen Fröbelseminar in Kassel, in den Evangelischen Freiwilligendiensten sowie in 18 regionalen Diakonischen Werken in Hessen und Nassau mehr als 1.500 Mitarbeitende. Als Mitgliederverband gehören der Diakonie Hessen zurzeit rund 440 Rechtsträger an. Dabei handelt es sich um Vereine, Stiftungen und gemeinnützige Gesellschaften sowie die 44 Dekanate der EKHN und die 20 Kirchenkreise der EKKW. Insgesamt bestehen ca. 1.340 Einrichtungen, Angebote und ambulante Dienste in den Bereichen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, in der Alten- und Krankenpflege, in der Behinderten-, Eingliederungs- und Suchthilfe und in der Migrations- und Flüchtlingsberatung sowie in der Beratung von Menschen mit sozialen Schwierigkeiten. Die Diakonie Hessen und ihre Mitglieder beschäftigen zusammen rund 39.000 Mitarbeitende.


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