Dezember 2010

NAK-Sprecher Gern: Einsatz gegen Kinder- und Jugendarmut bleibt mein Thema

Zum Februar angekündigter Stabwechsel – Dr. Thomas Beyer folgt nach


Zum 1. Februar 2011 gibt es einen Stabwechsel an der Spitze der Nationalen Armutskonferenz (NAK). NAK- Sprecher Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, auch Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau (DWHN), ist seit April 2007 NAK-Sprecher und hatte schon zu Jahresbeginn angekündigt, dass er bei der nächsten jährlich anstehenden Wahl für die Aufgabe nicht mehr zur Verfügung steht. Nachfolger Gerns ist Dr. Thomas Beyer, Landesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bayern, der auf der gestern und heute tagenden Delegiertenkonferenz der NAK in Köln als neuer Sprecher gewählt worden ist.

„Das politische Anliegen der NAK ist es, zu einer veränderten Politik beizutragen und für bessere gesellschaftliche Rahmenbedingungen einzutreten, damit Armut überwunden wird. Der Dialog auf Augenhöhe mit den von Armut betroffenen Menschen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Dies wird auch künftig mein Herzensanliegen sein“, sagte Gern, der von 2000 bis 2006 schon Vorsitzender der bundesweit tätigen Evangelischen Obdachlosenhilfe war. Er dankte der NAK für die gute Zusammenarbeit: „Ich habe viel von Ihnen und durch die Gespräche mit Ihnen gelernt.“ Als NAK-Sprecher hatte sich Gern vor allem für die Bekämpfung der Kinder- und Jugendarmut eingesetzt. Gern dazu: „Dies werde ich auch weiterhin tun.“

Der künftige Sprecher der NAK Dr. Thomas Beyer ist Rechtsanwalt, Mitglied des Präsidiums des AWO Bundesverbandes und gehört seit 2003 dem bayerischen Landtag an. Beyer, dessen Arbeitsschwerpunkte die Sozial- und Wirtschaftspolitik sind, betonte auf der Tagung, dass vor allem „die Lebenslagen, Erfahrungen und Bedürfnisse der Armutsbetroffenen im Mittelpunkt der Arbeit der NAK stehen“. Die Stärke des Netzwerkes sei die Verbindung von Betroffenen- und Selbsthilfeorganisationen mit den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege, mit dem DGB und Fachverbänden sowie das vielfältige wissenschaftliche und persönliche Know-How der Delegierten. Inhaltlich thematisierte Beyer vor allem die Problematik des wachsenden Niedriglohnsektors. Es sei „besorgniserregend, dass immer mehr Menschen wegen niedriger Löhne auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind. Diese Entwicklung muss gestoppt werden.“ Als stellvertretende Sprecher wurden Michaela Hofmann (Diözesan-Caritasverband Köln), Kurt Klose (BAG Schuldnerberatung) und Prof. Dr. Gerhard Trabert (Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.) gewählt.

Deutliche Kritik übte die NAK in ihrer so genannten „Kölner Erklärung“ an der laufenden Gesetzgebung im Bereich der Grundsicherung.

Die Erklärung finden Sie unter
http://www.nationale-armutskonferenz.de/fileadmin/user_upload/PDF/101201_Koelner_Erklaerung.pdf

Stichwort: Nationale Armutskonferenz (NAK)

Die Nationale Armutskonferenz gründete sich im Herbst 1991 als deutsche Sektion des Europäischen Armutsnetzwerks. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Armut zu überwinden bzw. die Selbsthilfeansätze der von Armut betroffenen oder bedrohten Menschen zu unterstützen. Sie sieht ihren Auftrag unter anderem darin, einen Beitrag zu einer veränderten Politik zu leisten, damit die Lebenslage armer Menschen verbessert und strukturelle Überwindung von Armutsbedrohung erreicht wird. Das Gespräch mit von Armut betroffenen Menschen ist erstes Anliegen der Nationalen Armutskonferenz.  Die Nationale Armutskonferenz besteht aus folgenden Mitgliedern: Arbeiterwohlfahrt Bundesverband, Armut und Gesundheit in Deutschland, BAG Prekäre Lebenslagen, BAG Schuldnerberatung, BAG Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit, BAG Wohnungslosenhilfe, Bundesverband Die Tafeln, Der Paritätische Gesamtverband, Deutscher Bundesjugendring, Deutscher Caritasverband, Deutscher Gewerkschaftsbund, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk der Ev. Kirche in Deutschland, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.