Mai 2020

Kinder haben Recht auf ein Leben ohne Armut

Diakonie Hessen schließt sich der Erklärung des „Ratschlags Kinderarmut“ an und fordert armutsfreies Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen – Internationaler Kindertag am 1. Juni – Schwerpunkt „Kinder- und Jugendrechte“ 2020/2021 in der Diakonie Hessen


Kinder und Jugendliche, deren Familien auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind, haben es in der „Corona-Krise“ besonders schwer: Mit der Schließung von Kindertagesstätten, Schulen und sozialen Einrichtungen sind wichtige Lern- und Hilfemöglichkeiten auf einen Schlag entfallen. „Es muss endlich etwas getan werden“, sagt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, zum Internationalen Kindertag am 1. Juni. „Kinder und Jugendliche aus armen Familien sind wieder einmal die Verlierer in der Gesellschaft. Das war schon vor der Corona-Krise so. Nun aber wird ihr Leben noch beschwerlicher. Viele fühlen sich allein gelassen und abgehängt.“ Eine von zahlreichen Sozialverbänden getragene Erklärung des „Ratschlags Kinderarmut“  fordert, dass ein gutes Aufwachsen von allen Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft jederzeit Priorität haben muss. Die Diakonie Hessen schließt sich der Erklärung an und leitet damit zugleich ihr Schwerpunktthema zu Kinder- und Jugendrechten ein. Carsten Tag: „Wir machen uns dafür stark, dass unsere Gesellschaft die Rechte von Kindern und Jugendlichen anerkennt und sie teilhaben lässt: an Bildung, einem gesunden und gesellschaftlichen Leben sowie einem Leben ohne Gewalt.“

Carsten Tag: „Sagen Sie ja zu Kinder- und Jugendrechten!“

Eine Maßnahme für ein armutsfreies Aufwachsen sieht der Vorstandsvorsitzende in der Anhebung der Regelsätze der Grundsicherung für Kinder und Jugendliche. Carsten Tag: „Wir brauchen eine Grundsicherung, die sich am Bedarf des Kindes orientiert und seine Existenz sichert.“ Erschwerend komme nun hinzu, dass arme Familien mit der Corona-Pandemie den Wegfall von Leistungen für Bildung und Teilhabe der Kinder und Jugendlichen kompensieren müssen. Carsten Tag erinnert an die Kinderrechte, die seit knapp zwei Jahren Teil der Hessischen Verfassung sind: „Die Rechte von Kindern und Jugendlichen gelten jetzt nicht weniger als sonst. Strukturelle Benachteiligungen dürfen durch die aktuelle Krise nicht verstärkt werden. Stattdessen muss alles getan werden, damit alle Kinder und Jugendlichen armutsfrei aufwachsen können.“ Die Diakonie Hessen schließt sich daher der Erklärung des „Ratschlags Kinderarmut“ an. Carsten Tag fordert die Politik für jetzt und auch für die Zeit nach Corona auf: „Vergessen Sie die Kinder und Jugendlichen nicht! Ein armutsfreies Aufwachsen von allen Kindern und Jugendlichen muss auch in der Hessischen Politik Priorität haben. Sagen Sie ja zu Kinder- und Jugendrechten!“

Hier geht es zur Videobotschaft von Pfarrer Carsten Tag.

Kinder- und Jugendarmut wächst – Forderungen der Diakonie Hessen zur Armutsprävention und Stärkung der Rechte

Der Handlungsbedarf ist deutlich: Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der von Armut Gefährdeten in Hessen zu. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Im Jahr 2018 galten in Hessen insgesamt knapp 16 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet – bei Kindern und Jugendlichen waren es mehr als 20 Prozent (21,1 Prozent bei den unter 18-Jährigen, 26,5 Prozent bei den 18- bis unter 25-Jährigen). Jedes fünfte Kind bzw. jede*r fünfte Jugendliche ist damit in seinen bzw. ihren Entwicklungschancen und Teilhabemöglichkeiten stark eingeschränkt und kann seine bzw. ihre Rechte nicht wahrnehmen.

Die Forderungen der Diakonie Hessen zur Prävention von Kinder- und Jugendarmut: 

  • Recht auf armutsfreies Auswachsen: Einrichtung von „Präventionsketten“. Mit ihnen werden auf kommunaler Ebene verschiedene Akteure versammelt, die den Lebensweg von Kindern- und Jugendlichen begleiten und die Infrastruktur im Blick haben. Damit dieses Instrument in Hessen Wirkung zeigen kann, braucht es eine Gesamtstrategie auf Landesebene.
  • Recht auf angemessenen Lebensstandard: Die Regelsätze der Grundsicherung für Kinder und Jugendliche müssen erhöht werden. Sie entsprechen nicht dem notwendigen soziokulturellen Existenzminium. Eine einheitliche Kindergrundsicherung ist einzuführen, die sich am Bedarf des Kindes orientiert und seine Existenz sichert.
  • Recht auf Gesundheit: Die medizinische Versorgung muss auch für Kinder und Jugendliche ohne Krankenversicherung umfassend und gleichwertig unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus gesichert sein.
  • Recht auf Bildung: Kindertageseinrichtungen und Schulen sind institutionell und personell angemessen auszustatten. Geflüchtete Familien müssen sich rasch integrieren und Kinder und Jugendliche in regulären Schulen lernen können. Zur Verbesserung ungenügender Sprachkenntnisse sind weitere Ganztagesangebote für die Deutsch-Förderung einzurichten.

Alle Forderungen aus dem Positionspapier "Unerhört. Sozial. III" zu den Kinder- und Jugendrechten im Überblick

Kontakt

Dr. Felix Blaser
Referent für Armutspolitik in der Diakonie Hessen
Felix.blaser(at)diakonie-hessen.de
Tel.: 069 7947-6321

Hintergrund

Kinder- und Jugendrechte – Schwerpunktthema der Diakonie Hessen 2020/21

Erst Ende 2018 wurden die Kinder- und Jugendrechte in die Hessische Verfassung aufgenommen. Im Koalitionsvertrag der Hessischen Landesregierung wurde festgehalten, dass das Jahr 2020 das „Jahr der Rechte für alle Kinder“ ist. Die Diakonie Hessen hat mit ihren Positionen „Unerhört. Sozial. III.“ ihr Schwerpunktthema „Kinder- und Jugendrechte“ vorbereitet. Eine der wesentlichen Forderungen des Verbandes ist, dass die von der UNO bereits 1989 verabschiedete Kinderrechtskonvention in allen Lebensbereichen umgesetzt wird. In vielfältigen Aktionen und Formaten greift die Diakonie Hessen im laufenden und kommenden Jahr die Kinder- und Jugendrechte unter dem Motto „UNERHÖRT! DIESE KINDER. Ja zu Kinder- und Jugendrechten“ auf und zeigt, wo und wie diese weiter bekannt gemacht und verwirklicht werden können. Das Positionspapier zu Kinder- und Jugendrechten „Unerhört. Sozial. III“ zum Durchblättern und Download.

Ratschlag Kinderarmut

Auf Initiative der Nationalen Armutskonferenz (nak) trafen sich 2016 zahlreiche bundesweit agierende Organisationen, um gemeinsam Perspektiven der Bekämpfung von Kinderarmut zu diskutieren. Die erste gemeinsame Erklärung „Keine Ausreden mehr: Armut von Kindern und Jugendlichen endlich bekämpfen!“ wurde im Juni 2017 als Forderungen zur Bundestagswahl von 46 Organisationen und Einzelpersonen unterstützt und unter breiter medialer Beachtung veröffentlicht. Diese Erklärung wurde in gekürzter Form auch auf die Kampagnen-Plattform „we act“ zur Mitzeichnung gestellt und erreichte fast 40.000 Unterschriften. Anlässlich des 13. Treffens der Menschen mit Armutserfahrung bekräftigte der Ratschlag seine Forderungen mit der Erklärung „Bekämpfung von Kinderarmut muss Priorität haben! - Gemeinsame Erklärung von Nationaler Armutskonferenz, Kinder-, Familien- und Wohlfahrtsverbänden“ im November 2018. (Die aktuelle Erklärung zum Download)