September 2018

„Wohnungsnot geht uns alle an“

Informationen und Aktionen der Diakonie Hessen zum Tag der Wohnungslosen in Deutschland am 11. September


In Hessen fehlen aktuell zwischen 60.000 und 80.000 Wohnungen. Schätzungen zufolge müssten jedes Jahr 37.000 neue Wohnungen gebaut werden, um den Bedarf an Wohnraum zu decken. Zuletzt wurden jedoch nur 17.000 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt.
Gleichzeitig sind in den letzten fünf Jahren die Mieten in Hessen durchschnittlich um über 30 Prozent angestiegen. Auch die Zahl der Sozialwohnungen nimmt stetig ab. Zum Tag der Wohnungslosen am 11. September sagt Horst Rühl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen:

„Besonders Geringverdienende, Familien, Alleinerziehende, junge und alte Menschen mit geringen Einkünften haben es in Hessen schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Zu wenige Wohnungen und zu hohe Mieten lassen sie chancenlos zurück. 50.000 Menschen, die zurzeit in Hessen eine Sozialwohnung suchen, stehen buchstäblich vor der Tür. Die Wohnungsnot wird immer gravierender und geht uns alle an. Politik und Wirtschaft müssen sich endlich ihrer sozialen Verantwortung stellen. So sollten hessische Kommunen und Landkreise bei der Vergabe von Grundstücken stärker auf soziale Kriterien achten. Die Diakonie Hessen hat ein landesweites Aktionsprogramm entwickelt, um der Wohnungsnot konkret entgegenzuwirken. Damit die Menschen, die auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance haben, nicht auf der Straße leben müssen.“

Aktionsprogramm „Wohnungslosigkeit überwinden“
Die Diakonie Hessen fordert ein landesweites Aktionsprogramm „Wohnungslosigkeit überwinden“, das folgende Maßnahmen über die nächsten Jahre vorsieht

  • Erstellung von mindestens 40 Prozent der Neubauten als sozial geförderten Wohnraum sowie Schaffung von 20 Prozent preisgünstigem Wohnraum
  • Einführung einer landesweiten integrierten Wohnungsnotfallstatistik
  • Landesweite Untersuchung zu Umfang, Struktur und Hilfen für Menschen in Wohnungsnotlagen
  • Förderprogramm zum Aufbau kommunaler Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungsverlusten im ländlichen Raum
  • Förderprogramm „Pro Wohnen“ zur Förderung von Netzwerken zur Prävention von Wohnungsverlusten und zur Erschließung von Wohnraum
  • Förderprogramm „Von der Straße in die Wohnung“ durch aufsuchende Hilfen auf der Straße, Akquise von Wohnungen und wohnbegleitende Hilfen

Ansprechpartner zum Aktionsprogramm:
Stefan Gillich, Leiter der Abteilung Existenzsicherung, Armutspolitik, Gemeinwesendiakonie, Referent für Wohnungslosenhilfe, Tel. 069 7947-6222, stefan.gillich(at)diakonie-hessen.de

Aktionen zum Tag der Wohnungslosen
Zum Tag der Wohnungslosen in Deutschland am 11. September macht die Diakonie Hessen auf das Leben wohnungsloser Menschen in Hessen mit Aktionen in den Einrichtungen sowie Gesprächen mit Expert*innen und Betroffenen aufmerksam.

Darmstadt
07.09.18, 13-16 Uhr
Flashmob zum Mangel an bezahlbarem Wohnraum auf dem Luisenplatz in Darmstadt, Organisator ist die Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks Darmstadt-Dieburg

11.09.18, 13 Uhr
30-Jahr-Feier der Fachberatungsstelle Teestube KONKRET, Alicenstraße 29, 64293 Darmstadt

Groß-Gerau
11.09.18, ab 11:00 Uhr
Aktion zur Wohnungsnot auf dem Marktplatz, Groß-Gerau

Marburg-Biedenkopf
11.09.18, 11-15 Uhr
Grillfest mit den Klient*innen der Tagesaufenthaltsstätte Marburg, Gisselberger Straße 35

15.08-15.09.
„Literarischer roter Faden“ – Schaufenster in der Haspelstraße 5 mit Büchern zum Thema Wohnungsnotfälle bestückt. Ausgestellt werden ungefähr 25 Buchtitel der letzten 70 Jahre

Offenbach
11.09.18, 11-15:00 Uhr
Sommerfest der Wohnungsnotfallhilfe Offenbach-Dreieich-Rodgau, Gerberstr. 15. Gemeinsames Grillen mit den Klient*innen

Wiesbaden
11.09.18, 13-16:00 Uhr
Infostand der Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks Wiesbaden am Mauritiusplatz mit stündlicher Aktion
18:00 Uhr
Vorführung der Dokumentation „Draußen“ im Murnau Filmtheater, Murnaustraße 6, anschließend Diskussion mit den Einrichtungsleitungen der Wohnungsnotfallhilfe Wiesbaden


Ausblick

Frankfurt
20.10.18, 13 Uhr
Landesweite Demonstration #Mietenwahnsinn-Hessen ab Hauptbahnhof Frankfurt. Zum Bündnis #Mietenwahnsinn-Hessen haben sich über 30 außerparlamentarische Initiativen, Gruppen, Vereinen, Verbände und Gewerkschaften zusammengeschlossen. Die Diakonie Hessen ist eine der Bündnispartnerinnen. Weitere Informationen unter:                       http://mietenwahnsinn-hessen.de/das-buendnis/


Gerne vermitteln wir Ihnen für Ihre Recherche und Berichterstattung
die Teilnahme an den Aktionen sowie Gespräche mit Fachleuten und Betroffenen.

Weitere Informationen

Kampagne „Jeder Mensch braucht eine Wohnung“
Mit der Kampagne „Jeder Mensch braucht eine Wohnung“ macht die Diakonie Hessen auf die Situation von wohnungslosen Menschen aufmerksam. Mit Plakaten und Postkarten kämpft die Diakonie Hessen gegen die Stigmatisierung der Wohnungslosen an und wirbt um Unterstützung und für Spenden. Mehr Informationen zur Kampagne und zur Situation der Wohnungslosen finden Sie unter www.jeder-mensch-braucht-eine-wohnung.de

Wohnungsnotfallhilfe Diakonie Hessen
In etwa 40.000 Beratungsgesprächen jährlich unterstützen die Mitarbeitenden in den Diensten und Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Hessen Ratsuchende. Rund 250.000 Besuche und Kontakte gab es 2018 in den 85 verschiedenen Diensten und Einrichtungen für wohnungslose Menschen an 15 verschiedenen Standorten der Diakonie Hessen. Dazu gehören Fachberatungsstellen, aber auch Tagesaufenthalte mit Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Einrichten einer Postadresse, Gelegenheit zum Wäschewaschen, Trocknen, zur Körperpflege oder auch zur Zubereitung von warmen Mahlzeiten. Darüber hinaus bieten Einrichtungen Übernachtungs- und Wohnmöglichkeiten oder betreutes Wohnen an. Zudem gibt es Streetwork und an sechs Standorten eine medizinische Erstversorgung.

Zahlen zur Wohnungsnotfallhilfe
In Hessen gibt es keine landesweite umfassende Wohnungsnotfallberichterstattung. Gesicherte Informationen über Umfang, Struktur und Hilfen für Menschen in Wohnungsnotlagen liegen ebenso wenig vor wie eine Übersicht über die Anzahl wohnungsloser Menschen. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen erfasst daher alle zwei Jahre flächendeckend diejenigen Menschen, die an einem bestimmten Tag (dem Stichtag) die Dienste und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe der ihr angeschlossenen Verbände in Anspruch nehmen bzw. aufsuchen. An der Stichtagserhebung im Februar 2018 haben sich insgesamt 152 Dienste und Einrichtungen beteiligt. Die Zahlen der neuesten Erhebung werden demnächst von der Liga Hessen veröffentlicht. Die Diakonie Hessen ist einer von sechs Verbänden, die sich in der Liga Hessen zusammengeschlossen haben. Gemeinsam setzen sie sich für optimale soziale Rahmenbedingungen für die Menschen in Hessen ein. www.liga-hessen.de

Diakonie Hessen-Positionen: Unerhört. Sozial
Mit „Unerhört. Sozial.“ hat die Diakonie Hessen im Vorfeld der Landtagswahl 2018 ihre sozialpolitischen Positionen veröffentlicht. Der Landesverband gibt Denkanstöße und stellt Fragen zur Landtagswahl. Damit sollen diejenigen zu Wort kommen, die oft unerhört bleiben, und der politische Diskurs über Gerechtigkeit und Teilhabe soll weitergeführt werden. Die Ausführungen zu den Themen „Kinder, Jugend und Familie“, „Gesellschaftliches Miteinander“ sowie „Gesundheit und Pflege“ bieten neben den Positionen und konkreten Beispielen aus dem Leben auch Fragen an die Politiker*innen. Die Broschüre „Unerhört. Sozial.“ steht unter diesem Link zum Download bereit.

Ansprechpartner*in

Stefan Gillich
Leiter der Abteilung Existenzsicherung, Armutspolitik, Gemeinwesendiakonie
Referent für Wohnungsnotfallhilfe
Telefon: 069 7947-6222
Stefan.gillich(at)diakonie-hessen.de

Yvonne Burger
Abteilung Kommunikation
Referentin Pressearbeit
Telefon: 069 7947-6407
Yvonne.burger(at)diakonie-hessen.de