Bildung als Schlüssel in die Gesellschaft

Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben fördern

Durch den Auf- und Ausbau einer Landesförderung von Jugendwerkstätten und Jugendberufsagenturen werden die Übergänge von der Schule ins Berufsleben stärker und gezielter gefördert.  

Jugendwerkstätten stärken benachteiligte junge Menschen und stellen eine erfolgreiche und langfristige (Re-)Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt sicher. Durch Ausbildungs- und Berufsvorbereitung werden persönliche, soziale und fachliche Fähigkeiten gefördert. Benachteiligte Jugendliche, die auf dem freien Ausbildungsmarkt keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, können eine berufliche Erstausbildung erwerben. Zur Kostendeckung sind Jugendwerkstätten auf die kontinuierliche Einwerbung von Mitteln angewiesen, was langfristige Planung unmöglich macht. Wir empfehlen deshalb die Installierung eines Landesprogramms, aus dem die Jugendwerkstätten hessenweit nachhaltig und institutionell gefördert werden.  

Jugendberufsagenturen bieten Jugendlichen in allen Fragen rund um Berufswahl und Ausbildung Unterstützung an. Sie stärken Berufsorientierung an Schulen und begleiten den Übergang in die Ausbildung und den Beruf. Durch die Zusammenarbeit von Agenturen für Arbeit, Grundsicherungsstellen/Jobcenter und Trägern der Jugendhilfe werden Hilfen „aus einer Hand“ angeboten, um auch unterstützungsbedürftigen Jugendlichen den gelingenden Einstieg in Ausbildung und Beruf zu ermöglichen. Da es nur in sechs hessischen Gebietskörperschaften eine Jugendberufsagentur gibt, empfehlen wir ein Landeskonzept, das den Ausbau von Jugendberufsagenturen mit einheitlichen Qualitätsstandards in allen 26 Landkreisen und kreisfreien Städten in Hessen garantiert.  

Gleiche Bildungschancen für alle  

Nur 5,9 Prozent der Schüler*innen auf Gymnasien stammten 2019 aus Elternhäusern, in denen der Hauptschulabschluss der höchste Bildungsabschluss ist. Damit der Bildungserfolg nicht vom Elternhaus abhängt, müssen unter anderem kostenlose Nachhilfeangebote ausgebaut werden.   

Schulischer und beruflicher Erfolg junger Menschen in Deutschland hängen überdurchschnittlich stark von der sozio-ökonomischen Situation in der Herkunftsfamilie ab. Laut Statistischem Bundesamt hatten im Jahr 2019 in Deutschland über 67 Prozent aller Schüler*innen auf einem Gymnasium mindestens ein Elternteil mit (Fach-)Hochschulreife (Abitur), aber nur knapp sechs Prozent stammten aus Haushalten, in denen der Hauptschulabschluss der höchste Bildungsabschluss ist (Statistisches Bundesamt, 2020). Ein schlechter oder kein formaler Bildungsabschluss ist Risikofaktor für niedriges Erwerbseinkommen und Armut im späteren Leben. Die Verfügbarkeit ökonomischer und sozialer Ressourcen im Elternhaus dürfen nicht das ganze weitere Leben bestimmen! Kinder mit weniger Startchancen brauchen deshalb besondere Unterstützung. Das Landesprogramm Armutspräventionsketten sollte ausgebaut werden, um das effektive Ineinandergreifen lokaler Unterstützungsstrukturen während des gesamten Entwicklungsverlaufs zu sichern. Das gesamte Spektrum der Jugendsozialarbeit muss gestärkt werden, um die ganzheitliche Begleitung junger Menschen zu gewährleisten. Das Ganztagsangebot in Schulen muss auf Grundlage eines gemeinsamen Qualitätsrahmens weiterentwickelt werden, kostenlose Bildungsförderung beinhalten und die Kinderperspektive mit in den Blick nehmen.  

Demokratie geht uns alle an 

Zivilgesellschaftliches Engagement muss durch die Weiterentwicklung des Landesprogramms „Hessen - aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ gefördert werden.  Demokratie soll bereits ab dem Kindesalter in Bildungsinstitutionen erfahrbar sein.  

Die derzeitigen Krisen fordern unser Zusammenleben stark heraus. Als Diakonie besorgt uns, dass das Vertrauen gegenüber der Demokratie schwindet, menschenfeindliches Gedankengut höhere Akzeptanz findet und die Polarisierungen – nicht nur im politischen Diskurs – zunehmen.  

Gerade in Krisenzeiten besteht die Gefahr, dass Machtlosigkeit und Ängste von extremistischen Akteuren verschärft und instrumentalisiert werden. Wenn z.B. Sündenböcke für komplexe gesellschaftliche Probleme verantwortlich gemacht werden, widerspricht dass den Werten unserer Demokratie. Dagegen gilt es, durch (politische) Bildung über die Komplexität von Herausforderungen aufzuklären und Menschen wieder stärker an Entscheidungen zu beteiligen, von denen sie unmittelbar in ihrem Alltag betroffen sind. Daher stellen wir zwei zentrale Forderungen an die Landespolitik: 

  • Bereits ab dem Kindesalter soll Demokratie für junge Menschen direkt erfahrbar werden. Daher sollte es in Kitas und Schulen verstärkt Aktivitäten geben, die demokratische Werte vermitteln, Partizipation ermöglichen und die Anerkennung von Vielfalt fördern. 

  • Durch die Weiterentwicklung des Landesprogramms „Hessen - aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ soll das zivilgesellschaftliche Engagement für außerschulische Demokratieförderung unterstützt werden. 

Schulsozialarbeit gesetzlich verankern 

Die Schulsozialarbeit bietet allen Schülerinnen und Schülern Unterstützung und sozialpädagogische Angebote an. Deshalb müssen entsprechende Landesgesetze zur Umsetzung des Programms festgelegt sein. 

Alle Kinder in Hessen, insbesondere diejenigen, die auf Unterstützung beim Ausgleich sozialer Benachteiligung angewiesen sind, sollen gleiche Teilhabe- und Startchancen bekommen und müssen deshalb von den Angeboten der Schulsozialarbeit an den hessischen Schulen profitieren. Die Schulsozialarbeit nimmt das Kind ganzheitlich in den Blick - ausgehend von den Kompetenzen der jungen Menschen, bietet die Schulsozialarbeit passgenaue und zielgerichtete Hilfen und Angebote, um Fertigkeiten zu wecken und zu fördern, damit der Schulalltag positiv bewältigt und verbessert wird. Dabei ist es wichtig und notwendig, dass die eigene und familiäre Lebenssituation des jungen Menschen berücksichtigt wird. Dank der Schulsozialarbeit wird die Persönlichkeitsentwicklung und die Selbstwirksamkeit der Kinder gestärkt, deshalb ist es notwendig entsprechende Landesgesetze zur Umsetzung des neuen §13a SGB VIII festzulegen, in dem die gemeinsame Verantwortung von Jugendhilfe und Schule gesetzlich festgeschrieben und verankert werden. 

Unsere Positionen im Überblick