FAQ - Fragen und Antworten

Fragen und Antworten rund um das Spendenprojekt und die Situation der Menschen, die auf der Straße leben

Warum öffnet man nicht leerstehende Flüchtlingsheime? Dann gäbe es doch genug Platz für alle Obdachlosen und keiner muss auf der Straße schlafen.
Die Unterbringung für geflüchtete Menschen war eine Hilfeform, die kurzfristig viele Menschen unterbringen und versorgen musste. Wohnungslose Menschen haben in allen Städten und Gemeinden in Hessen immer einen Anspruch auf Versorgung mit Wohnraum durch die Kommune. Für die sogenannten Obdachlosen gibt es in den Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe ausreichend Platz. Siehe hierzu die Erläuterungen: Warum gehen Menschen nicht in die Einrichtungen.

Warum werden Obdachlose in den Unterkünften abgewiesen und müssen auf der Straße schlafen?
Im Winter wird niemand aus den Unterkünften abgewiesen bzw. verwiesen. Die diakonischen Einrichtungen öffnen im Winter sogar die Tagesaufenthalte für 24 Stunden und stellen Feldbetten/Isomatten und Schlafsäcke zur Verfügung.
Im weiteren Jahresverlauf kann es zu Hausverboten kommen. Diese werden aus Gründen des Selbstschutzes und der Fürsorgepflicht gegenüber den Bewohner*innen ausgesprochen im Fall von körperlicher Gewalt, Drogenkonsum und/oder unzurechenbarem Verhalten aufgrund des Konsums.

Aus welchen Gründen gehen Obdachlose nicht in die Unterkünfte, warum schlafen sie lieber auf der Straße?
Menschen, die schon sehr lange wohnungslos sind, haben oft das Bedürfnis alleine zu sein. Sie ertragen es nicht mehr, mit anderen zusammen in einem Raum zu leben/schlafen. Außerdem müssen die Regeln der Einrichtung eingehalten werden, zum Beispiel der Verzicht auf Alkohol oder Drogen.

Was macht die Diakonie Hessen dafür, dass Obdachlose wieder eine eigene Wohnung bekommen?
Die Diakonie unterhält 85 Dienste und Einrichtungen in Hessen, darunter auch zahlreiche Fachberatungen, Formen des Betreuten Wohnen und Übergangswohnheime. Hier wird zum einen präventiv gearbeitet, also damit Menschen erst gar nicht ihre Wohnung verlieren. Zum anderen unterstützen die Sozialarbeitenden im Betreuten Wohnen und in den anderen Wohnformen die Menschen bei der Suche nach bezahlbarem Wohnraum. Außerdem engagiert sich die Diakonie Hessen in verschiedenen Bündnissen und politischen Gesprächen für sozialen Wohnungsbau und den Erhalt von bezahlbarem Wohnraum.

Gibt es trotz den coronabedingten Sicherheitsmaßnahmen genug Notfallschlafplätze in den Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe?
Durch Abstands- und Hygienemaßnahmen muss die belegbare Bettenanzahl reduziert werden. Überwiegend wurde mit den Ordnungsbehörden vereinbart, ggf. Zimmer in Hotels, Pensionen etc. zu belegen. Damit kommen die Ordnungsbehörden ihrer Rechtsverpflichtung nach. Dies ist ein guter und unterstützenswerter Weg. Leider klappt das nicht in allen Landkreisen.

Haben obdachlose Menschen kostenfreien Zugang zu Alltagsmasken und Desinfektionsmittel, um sich zu schützen?
Über die Einrichtungen der Diakonie  werden wohnungslosen  Menschen kostenfrei Alltagsmasken und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Es gibt eine hohe Spendenbereitschaft engagierter Bürger*innen, wofür wir sehr dankbar sind. Die Tagesaufenthalte und Beratungsstellen sind weiter hoch frequentiert.

Warum ist Corona für wohnungslose Menschen besonders schlimm?
Das Leben auf der Straße fordert seinen Tribut. Wir wissen: Wer arm ist, stirbt früher – sogar viel früher. Bei Männern sind es etwa elf Jahre und acht Jahre bei Frauen. Wer täglich seine Existenz sichern muss, achtet nicht auf Krankheiten. Die Lebensumstände machen krank. Natürlich haben auch Menschen, die auf der Straße leben, Angst vor Corona. Zumal sie durch ihre verschleppten Krankheiten hoch gefährdet sind. Auf der Straße selbst ist ein Schutz kaum möglich. Abstands- und Hygienemaßnahmen können nicht wirklich eingehalten werden.

Haben Obdachlose Zugang zu medizinischer Versorgung?
In den Tagesaufenthalten bietet die Diakonie Hessen über das spendenbasierte Projekt „Krank auf der Straße“ kostenfrei medizinische und pflegerische Nothilfen an. Über diesen Weg einer vertrauensbasierten Beziehungsarbeit sollen wohnungslose Menschen an das Gesundheitssystem herangeführt werden.

Warum bleiben manche obdachlose Menschen auch bei Kälte lieber auf der Straße und lehnen Notfallschlafplätze ab?
Manche haben Angst davor, sich in Einrichtungen mit Corona zu infizieren oder halten es nicht aus, mit anderen obdachlosen Menschen ein Zimmer zu teilen. Wieder andere verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit Flaschensammeln und sind bis spät in der Nacht unterwegs, wenn die Notschlafstellen bereits geschlossen haben.

Was kann ich tun, wenn mir obdachlose Menschen bei kalten Wintertemperaturen auffallen?
Was jeder Mensch tut wenn er/sie einen Menschen in einer Notlage sieht: die Person ansprechen, ob man etwas tun kann. Wer sich das nicht traut, kann eine Hilfeeinrichtung für wohnungslose Menschen informieren oder – so vorhanden - den Kältebus. Streetworkerinnen haben die Möglichgeit die Orte zu besuchen, von denen Sie wissen, dass sich dort eine Person aufhält. Notfalls kann auch die Polizei informiert werden, welche die entsprechende Einrichtung informieren kann.

Was bedeutet „Aufsuchende Sozialarbeit“?
Aufsuchende Sozialarbeit ist ein anderer Begriff für Streetwork. Sozialarbeiter*innen sind in öffentlichen Räumen unterwegs, und für Menschen an den Orten ansprechbar, an denen sich diese jeweils aufhalten. Dann kann es gut sein, dass das Beratungsgespräch auf einer Parkbank oder an dem Schlafplatz der wohnungslosen Person stattfindet. Grundlegend ist: da sein, zuhören, Unterstützung anbieten. Oftmals geht es darum, in einem längeren Prozess Beziehung und Vertrauen aufzubauen, bevor Weiteres möglich ist.