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Pressemitteilung

Sackgasse Notunterkunft

Ältere Menschen immer länger in hessischen Notunterkünften / Diakonie Hessen fordert bezahlbaren Wohnraum / Statistikbericht der BAG Wohnungslosenhilfe

28.08.2026

Immer mehr ältere Menschen verbleiben über Jahre in Notunterkünften, weil sie auf dem angespannten Wohnungsmarkt keine Wohnung finden. Dies zeigt ein am Mittwoch veröffentlichter Statistikbericht der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W). Die Zahlen bestätigen einen Trend, der sich auch in Hessen seit langem abzeichnet. Mehr als 15.000 Menschen ab 40 Jahren leben in Hessen bereits seit mindestens zwei Jahren in Notunterkünften (Quelle: Statistisches Bundesamt). Die Zahl der Über-60-Jährigen ist im Vergleich zum Vorjahr um fast 90 Prozent auf 1.345 Personen gestiegen. Darunter sind immer mehr Frauen: Ihre Zahl hat sich mit 610 Personen beinahe verdreifacht. „Wir brauchen bezahlbaren, aber auch altersgerechten und barrierefreien Wohnraum“, sagt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen. „Der Wohnungsmangel ist so groß, dass unterschiedliche Gruppen gegeneinander ausgespielt werden. Ältere wohnungslose Menschen konkurrieren mit Familien und anderen Wohnungssuchenden um viel zu wenige bezahlbare Wohnungen.“

Notunterkünfte sind keine Dauerlösung

„Menschen ab 60 Jahren haben es besonders schwer, eine Wohnung zu finden – vor allem wenn sie schon in einer Notunterkunft untergebracht sind“, sagt Katharina Alborea, Referentin für Wohnungsnotfallhilfe bei der Diakonie Hessen. „Einen drohenden Wohnungsverlust gilt es daher frühzeitig zu verhindern. Notunterkünfte können nicht die Lösung sein. Sie sind nicht für eine dauerhafte Unterbringung ausgelegt.“ Erschwerend komme hinzu, dass ältere Menschen andere Wohnbedürfnisse haben. „Ältere Menschen brauchen oft barrierefreie Wohnungen, Unterstützung im Alltag und teilweise auch Pflege. Notunterkünfte können dies nicht leisten, und soziale Fachkräfte können pflegerischen Tätigkeiten nicht übernehmen.“

Jetzt in bezahlbaren Wohnraum investieren

„Zahlreiche diakonische Projekte zeigen, wie mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann“, sagt Carsten Tag. „Es fehlt nicht an Ideen, sondern am politischen Handeln.“ Die angekündigte Wohngeldreform drohe die Situation auf dem Wohnungsmarkt weiter zu verschärfen. „Wer beim Wohngeld spart, riskiert am Ende höhere soziale Folgekosten.“ Menschen mit geringem Einkommen könnten dann schneller ihre Wohnung verlieren, während wohnungslose Menschen noch schlechtere Chancen haben, wieder in eigenen Wohnraum zu ziehen. „Unsere Fachkräfte stehen wohnungslosen Menschen mit Fachlichkeit und Beharrlichkeit zur Seite. Doch die Lösung liegt nicht in den Notunterkünften, sondern auf dem Wohnungsmarkt. In Hessen hat die Landesregierung fast 1,8 Milliarden Euro Sondervermögen bekommen. Nun gilt es, dieses Geld endlich zu investieren, wo es vielen Menschen nützt und sich langfristig auszahlt: in ausreichenden, bezahlbaren Wohnraum.“

Wohnungsnotfallhilfe Diakonie Hessen

In etwa 40.000 Beratungsgesprächen jährlich unterstützen die Mitarbeitenden in den 85 verschiedenen Diensten und Einrichtungen für wohnungslose Menschen Ratsuchende an 17 verschiedenen Standorten der Diakonie Hessen. Dazu gehören Fachberatungsstellen, aber auch Tagesaufenthalte mit Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Einrichten einer Postadresse, Gelegenheit zum Wäschewaschen, Trocknen, zur Körperpflege oder auch zur Zubereitung von warmen Mahlzeiten. Darüber hinaus bieten Einrichtungen Übernachtungs- und Wohnmöglichkeiten oder betreutes Wohnen an. Zudem gibt es Streetwork und an sechs Standorten eine medizinische Erstversorgung.

Kontakt
Katharina Alborea
Referentin für Wohnungsnotfallhilfe
Katharina.alborea@diakonie-hessen.de

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