Kasseler Träger schlagen Alarm

Kürzungen bei „weltwärts“ gefährden Freiwilligendienste und internationale Partnerschaften

Diakonie Hessen, Internationaler Bund Südwest und Sozialer Friedensdienst fordern verlässliche Finanzierung – Austausch mit Kasseler Bundestagsabgeordneten

21.08.2026

Die geplanten Kürzungen beim entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ gefährden internationale Partnerschaften, Bildungsarbeit und Arbeitsplätze auch in Kassel. Darauf haben die Diakonie Hessen, der Internationale Bund Südwest und der Soziale Friedensdienst Kassel bei einem gemeinsamen Gespräch mit den Kasseler Bundestagsabgeordneten Violetta Bock (Die Linke), Boris Mijatović (Bündnis 90/Die Grünen) und Daniel Bettermann (SPD) aufmerksam gemacht.

Nach bereits erfolgten Kürzungen im laufenden Jahr soll der Etat für die entwicklungspolitischen Austausch- und Entsendedienste 2027 erneut sinken. Vorgesehen ist eine Kürzung um 7,2 Prozent beziehungsweise weitere 3,1 Millionen Euro.

„Internationale Freiwilligendienste sind mehr als ein Auslandsjahr. Sie stärken Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt Nathalie Bonnet, Leiterin der Evangelischen Freiwilligendienste Hessen der Diakonie Hessen. „Wer hier kürzt, spart kurzfristig Haushaltsmittel, riskiert aber langfristig den Verlust wichtiger zivilgesellschaftlicher Strukturen und gewachsener internationaler Kooperationen.“

„Die Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern öffnet Horizonte und ermöglicht den Blick über den eigenen Tellerrand. Junge Menschen erleben andere Lebensrealitäten, hinterfragen eigene Sichtweisen und erfahren zugleich, was Menschen miteinander verbindet. Wer einander begegnet und voneinander lernt, baut Vorurteile ab. Das schafft Verständnis und Vertrauen – und ist damit auch ein Beitrag zu Friedensbildung und Frieden“, so Eva del Coz, Geschäftsführerin des Sozialen Friedensdienstes Kassel.

„Internationale Freiwilligendienste bringen Menschen verschiedener Herkunft und Kulturen zueinander. Diese Begegnungen wirken sich in vielfältiger Art und Weise bereichernd auf allen gesellschaftlichen Ebenen aus. Voneinander und miteinander zu lernen - davon profitieren die Klienten und Mitarbeitenden in den meist sozialen Einrichtungen und die Freiwilligen gleichermaßen.“ meint Andreas Mannsbarth, Bereichsleiter der Internationale Bund Südwest gGmbH.

Seit 18 Jahren baut “weltwärts” tragfähige internationale Partnerschaften zwischen Trägern in Deutschland und zivilgesellschaftlichen Organisationen im Globalen Süden. Von den Kürzungen betroffen wären nicht nur das Programm zur Entsendung deutscher Freiwilliger ins Ausland, sondern auch junge Menschen aus dem Globalen Süden. Sie kommen über „weltwärts“ nach Deutschland und engagieren sich in sozialen und ökologischen Einrichtungen in der Region. Ihre Erfahrungen und Sichtweisen bereichern Teams und Einsatzstellen und stärken interkulturelle Kompetenz und gelebte Vielfalt.

Die Wirkung reicht dabei weit über den eigentlichen Freiwilligendienst hinaus. Viele ehemalige Freiwillige engagieren sich anschließend, etwa in Vereinen, Initiativen, Kirchengemeinden oder sozialen Einrichtungen. So wird aus internationalem Austausch langfristiges gesellschaftliches und demokratisches Engagement. Manche ziehen im Anschluss auch einen Beruf in Erwägung, in dem sie auf ihre Erfahrungen aus dem Freiwilligendienst zurückgreifen können. Häufig sind diese in Arbeitsbereichen, in denen Fachkräftemangel herrscht.

Die Kasseler Träger appellieren deshalb an die Bundestagsabgeordneten und die Bundesregierung: „weltwärts“ braucht eine verlässliche Finanzierung statt weiterer Kürzungen. Wer Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und internationale Verständigung stärken will, muss jungen Menschen auch künftig diese Erfahrungen ermöglichen.

Hintergrund

„weltwärts“ ist der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Seit 2008 ermöglicht das Programm jungen Menschen internationale Freiwilligendienste und partnerschaftlichen Austausch. Im Mittelpunkt stehen gegenseitiges Lernen, globales Engagement und die Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Deutschland und ihren internationalen Partnern.

Bildunterschrift Bild oben:
Von links nach rechts: Bernhard Marien (IB), Marlene Rakowski de Medeiros (IB), Markus Maurer (Diakonie Hessen), Eva del Coz (sfd), Nathalie Bonnet (Diakonie Hessen), Andreas Mannsbarth (IB), Daniel Bettermann (SPD)

Bildunterschrift Bild links:
Von links nach rechts: Sylvia Andrade Dessommes (sfd) , Marlene Rakowski de Medeiros (IB), Julius Lemke, Violeta Bock (beide Die Linke), Eva del Coz (sfd), Daizy Shekhawat (IB), Boris Mijatovic (Grüne), Markus Maurer (Diakonie Hessen), Andreas Mannsbarth (IB), Bernhard Marien (IB)

Weitere Informationen

Kontakt

Nathalie Bonnet

Ressortleitung Evangelische Freiwilligendienste

0561 10953104

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