© Rolf Oeser / Diakonie Frankfurt-Offenbach

Ministerin Hofmann übergibt Bescheide an soziale Projekte im Frankfurter Bahnhofsviertel

Diakonie erhält Förderungen für Housing First-Projekt und Projekt zum Schnittstellen-Management

16.02.2026

Vorstandsvorsitzender Carsten Tag: Gemeinsam mit Wissen und fachlichen Konzepten für Menschen einen Unterschied machen, die sonst wieder auf der Straße landen würden

Die Hessische Landesregierung treibt die Umsetzung des 7-Punkte-Plans für das Frankfurter Bahnhofsviertel weiter voran, verstärkt in diesem Zuge den Kampf gegen Obdach- und Wohnungslosigkeit und die Förderung sozialer Quartiersarbeit: Sozialministerin Heike Hofmann hat am Freitag im Rahmen eines Vor-Ort-Termins in Frankfurt insgesamt fünf Förderbescheide an Träger übergeben, deren Projekte nun gestartet sind, um die Situation der Menschen im Bahnhofsviertel zu verbessern – darunter auch das Projekt „Schnittstellenmanagement“, das auf Initiative der Diakonie Hessen von diakonischen Trägern im Bahnhofsviertel umgesetzt wird.

„Wir nehmen uns mit dem 7-Punkte-Plan der Sicherheit, der gesundheitlichen Versorgung sowie der Gesamtsituation an. Sozialpolitische Maßnahmen sind dabei ein zentraler Bestandteil – und insbesondere Prävention spielt eine große Rolle. Damit setzen wir nicht nur an der Ursache an, sondern helfen zu verhindern, dass Menschen in den Kreislauf aus Wohnungslosigkeit und Suchterkrankung geraten“, sagte die Ministerin.

Housing First-Projekt der Diakonie erhält Förderung über 150.000 Euro

Sie verwies darauf, dass, nur eine Woche nachdem der Startschuss für die neue Strategie zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit im Rahmen eines Termins in Wetzlar erfolgte, nun auch in Frankfurt der dauerhafte Zugang zu Wohnraum fester Teil des Plans sei: „Den Housing-First-Ansatz, den wir zum Mittelpunkt unserer Landesstrategie gemacht haben, verfolgen wir auch in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt und den Trägern hier vor Ort. Ich freue mich, der Diakonie für die Erweiterung des hiesigen Housing-First-Projekts einen Förderbescheid über 150.000 Euro übergeben zu können“, führte die Ministerin aus. Delegationsreisen nach Zürich und Helsinki hätten schließlich eindrucksvoll gezeigt, wie gut dieser Ansatz funktioniere. „Der Kerngedanke ist: Menschen haben ein Recht auf eine Wohnung – vorbehaltlos und ohne Vorbedingungen wie etwa Suchtfreiheit.“ Menschen mit eigenem Wohnraum gelinge es mit begleitenden Maßnahmen, ihre Lebenssituation schneller und besser zu stabilisieren. Grundlage für die strategische Ausrichtung seien dabei zudem die Erkenntnisse der GISS-Studie, die deutlichen Handlungsbedarf aufgezeigt hätte, so Hofmann weiter.

Schnittstellen-Management der Diakonie hilft Menschen in prekären Lebenslagen

Daneben stehen auch klassische Sozialarbeit sowie das sogenannte Schnittstellen-Management, also die Begleitung von Menschen beim Übergang aus stationären Einrichtungen in die Selbständigkeit, bei den Förderungen des Sozialministeriums im Bahnhofsviertel im Fokus. Für das Schnittstellen-Management übergab Hofmann einen Bescheid über 150.000 Euro an die Diakonie und betonte in diesem Zuge die immense präventive Bedeutung, die die Begleitung von Menschen zurück in einen selbständigen Alltag habe: „Der Weg zurück aus der stationären Jugendhilfe, einer psychiatrischen Einrichtung, aus dem Justizvollzug oder einem Frauenhaus ist ein wichtiger Übergang, der ein großes Risiko birgt, in die Wohnungslosigkeit abzurutschen. Hier setzen wir mit diesem Projekt frühzeitig an.“

„Wir freuen uns, dass wir unser Konzept für ein Schnittstellen-Management zur Unterstützung von Menschen, die aus der Haft entlassen wurden und von Wohnungslosigkeit bedroht sind, zusammen mit dem Evangelischen Regionalverband, der Diakonie Frankfurt und Offenbach und dank der finanziellen Förderung durch das Land Hessen umsetzen und mit Leben füllen können“, sagte Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, dazu.

„Dieses gemeinsame Projekt macht deutlich, wie wir präventive Ansätze stärken und Menschen in besonders prekären Lebenslagen nachhaltig unterstützen können. Es ist auch ein klares Zeichen für die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den engagierten sozialen Akteuren – Diakonie, Regionalverband, Ligaverbände, Hessischer Fachkonferenz Wohnungslosenhilfe – und dem Land Hessen. Gemeinsam können wir mit unserem Wissen und unseren fachlichen Konzepten für all jene Menschen einen Unterschied machen, die sonst wieder auf der Straße landen würden.“

„Das Frankfurter Bahnhofsviertel steht beispielhaft für die besonderen Herausforderungen, denen urbane Räume ausgesetzt sind“, sagte Sozialministerin Hofmann. „Hier bündeln sich soziale Problemlagen, gesundheitliche Belastungen, Fragen der Sicherheit und des Zusammenlebens auf engem Raum. Mit unseren Förderungen bekämpfen wir nicht nur die sichtbaren Symptome wie Armut, Wohnungslosigkeit oder Suchterkrankung – wir setzen mit präventiven Maßnahmen an den Wurzeln an. Wohnungslosigkeit ist häufig der Beginn einer Spirale. Vorzubeugen ist hier die beste Möglichkeit: Notlagen verhindern, bevor sie entstehen.“

„Innerhalb eines Jahres haben wir im Rahmen des 7-Punkte-Plans ein umfassendes Maßnahmenbündel aufgesetzt, das die Situation im Bahnhofsviertel spürbar verbessern wird. Das ist ein Erfolg, der auch dank der guten Zusammenarbeit mit Stadt und Trägern gelungen ist. Darauf werden wir uns natürlich nicht ausruhen. Wir arbeiten weiter an der Landesstrategie zur Prävention und Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit, werden Erfahrungen bündeln und Projekte weiterentwickeln. Unser Ziel ist ein Hessen, in dem kein Mensch auf der Straße bzw. ohne eigenes Dach über dem Kopf sein muss. Das wollen wir gemeinsam erreichen“, schloss Hofmann. 

Eine weitere Förderung über 100.000 Euro ging an das Sozialamt der Stadt Frankfurt als Träger für das Modellprojekt Mobile Quartiersarbeit im Frankfurt Bahnhofsviertel als ein Baustein, der eine Brücke baut zwischen Institutionen und Menschen, Unterstützungsangebote und Alltag. Die Frankfurter Tafel erhielt einen Bescheid über 3.000 Euro für den Einbau einer neuen Küchenzeile. Schließlich stellt das Sozialministerium noch knapp 50.000 Euro für die wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts „Zweite Chance" von Pro Arbeit und Kreis Offenbach zur Verfügung.

 

 

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