Jahreslosung 2026

"Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu." (Offb 21,5)

Die Diakonie Hessen wünscht ein hoffnungsvolles und gesegnetes neues Jahr!

Pfarrer Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender

09.01.2026

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Jahreslosung 2026 beginnt mit einem bemerkenswerten Satz: Gott spricht.
Nicht ein Wunsch, nicht ein frommer Gedanke, nicht ein Appell an unser Engagement steht am Anfang, sondern Gottes eigene Stimme. Bevor wir handeln, planen, tragen oder aushalten, spricht Gott. Und was er sagt, ist keine Analyse der Weltlage, sondern eine Verheißung: Siehe, ich mache alles neu.

Dieses „Siehe“ ist mehr als eine höfliche Einleitung. Es ist ein Ruf zum Innehalten. Im Alltag unserer Arbeit sind wir gewohnt, nach vorne zu schauen: auf Aufgaben, Fristen, Bedarfe. Gott aber unterbricht diesen Strom und lädt uns ein, anders hinzusehen. Dorothee Sölle hat diese geistliche Unterbrechung einmal so beschrieben:
„Warten ist eine aktive Tätigkeit. Es ist die Bereitschaft, sich von Gott überraschen zu lassen.“

„Ich mache alles neu“ heißt nicht: Alles wird sofort anders. Die Offenbarung richtet sich an Menschen, die Bedrängnis, Ermüdung und Unsicherheit kennen. Gottes Zusage zielt nicht auf eine Flucht aus der Wirklichkeit, sondern auf ihre Verwandlung. Gerade dort, wo wir Begrenzungen erleben, wo Strukturen schwerfällig sind, wo wir an Menschen und an uns selbst zweifeln, beginnt Gottes erneuerndes Handeln.

Für uns in der diakonischen Arbeit ist das eine tröstliche und zugleich klärende Perspektive. Wir sind nicht diejenigen, die die Welt retten müssen. Wir sind auch nicht diejenigen, an denen alles hängt. Gott selbst beansprucht diese Rolle: Ich mache alles neu.

Zugleich erinnert Dorothee Sölle daran, dass diese Hoffnung nicht passiv machen darf, denn:
„Gott hat keine anderen Hände als unsere.“
Unsere Arbeit wird so zu einer Teilhabe – ohne in einer Überforderung ausarten zu müssen.

Diese Verheißung verändert zugleich unseren Blick auf die Menschen, denen wir begegnen. Denn kein Mensch ist festgelegt auf seine Geschichte, seine Krankheit, seine Armut oder sein bisheriges Scheitern. Gottes Zukunft steht offen über jedem Leben. Und sie verändert auch den Blick auf uns selbst: Wir sind mehr als unsere Erschöpfung, mehr als unsere Fehler, mehr als das, was liegen geblieben ist.

Aus dieser Hoffnung heraus dürfen wir arbeiten – engagiert, verantwortungsvoll - und gelassen zugleich. Nicht aus Angst vor dem Scheitern, sondern im Vertrauen auf Gottes Treue.

Die Jahreslosung lädt uns ein, das kommende Jahr nicht nur als Abfolge von Aufgaben zu sehen, sondern als Raum, in dem Gottes Erneuerung bereits am Werk ist.

So gehen wir weiter – nicht, weil alles schon neu wäre, sondern weil Gott es verheißen hat.
Und weil er spricht.

Amen.

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