15 Jahre Bundesfreiwilligendienst

Bewährte Strukturen für neue Dienstmodelle nutzen -
Erfahrungen aus den Freiwilligendiensten in neue Wehr- und Zivildienstmodelle einbeziehen

30.06.2026

 

Seit 15 Jahren ist der Bundesfreiwilligendienst (BFD) eine tragende Säule für gesellschaftliches Engagement in Deutschland. Zum Jubiläum appelliert die Diakonie Hessen gemeinsam mit den Evangelischen Freiwilligendiensten Diakonie Hessen, die Erfahrungen aus dem BFD konsequent in die aktuellen politischen Überlegungen zur Weiterentwicklung von Wehr- und Zivildienst einzubeziehen. „Die Freiwilligendienste haben sich als verlässliche Strukturen für gelebte Zivilgesellschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt bewährt. Zentrale demokratische Werte werden gestärkt“, sagt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen. „Gerade jetzt, wo neue Dienstmodelle diskutiert werden, dürfen wir die Erfahrungen der letzten 15 Jahre nicht ignorieren. Wir sollten klugerweise auf dem aufbauen was gut funktioniert – und nicht parallel neue Systeme schaffen.“          

Neue politische Weichenstellungen erfordern Praxisbezug

Vor dem Hintergrund internationaler Krisen, sicherheitspolitischer Debatten und wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen steht die Ausgestaltung gesellschaftlicher Dienste erneut auf der politischen Agenda. Carsten Tag: „Wenn neue Modelle für Wehr- und Zivildienst entwickelt werden, muss klar sein: Es gibt bereits funktionierende Strukturen. Auch die Freiwilligendienste müssen zusätzlich gestärkt und finanziell abgesichert werden.“

Erfolgreiches Modell mit gewachsenen Strukturen

Der Bundesfreiwilligendienst wurde zum 1. Juli 2011 als Nachfolger des Zivildienstes eingeführt, der mit der Aussetzung der Wehrpflicht endete. Damit sollte das Engagement im sozialen Bereich gesichert und zugleich bewährte Strukturen des ehemaligen Zivildienstes erhalten werden. Der BFD und der Ökologische Bundesfreiwilligendienst (ÖBFD) ergänzen seitdem die bereits seit mehr als 60 Jahren bewährten Jugendfreiwilligendienste: das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ).

Heute ist der Bundesfreiwilligendienst bundesweit etabliert: Verwaltungs- und Bildungsstrukturen wurden weiterentwickelt, etwa im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) sowie in Bildungszentren für Freiwillige im BFD und ÖBFD. Träger und Einsatzstellen haben den Dienst kontinuierlich ausgebaut. Rund 33.000 Menschen engagieren sich jährlich im BFD und ÖBFD, hinzu kommen rund 50.000 im FSJ und über 3.000 im FÖJ.

Erfolgsgeschichte Freiwilligendienste in Hessen: Engagement stärkt Perspektiven und Gesellschaft

Auch in Hessen ist der Bundesfreiwilligendienst neben den etablierten Jugendfreiwilligendiensten fest verankert. Bei den Evangelischen Freiwilligendiensten der Diakonie Hessen leisten jährlich rund 200 Menschen einen BFD oder Ökologischen Bundesfreiwilligendienst. „Wer einen Bundesfreiwilligendienst macht, lernt wie wichtig es ist, dass Menschen füreinander da sind“, sagt Nathalie Bonnet, Leiterin der Evangelischen Freiwilligendienste Diakonie Hessen. Auch für die persönliche Entwicklung der Freiwilligen kann der BFD prägend sein. Nathalie Bonnet: „Ein Freiwilligendienst ist weit mehr als ein Überbrückungsjahr. Er eröffnet jungen wie älteren Menschen neue Perspektiven, stärkt persönliche Kompetenzen und hilft vielen, ihren beruflichen Weg zu finden.“

Welche Bedeutung der Dienst für die persönliche Orientierung haben kann, zeigt das Beispiel von Anna Lena N. (20), Freiwillige im Bundesfreiwilligendienst in der Evangelischen Kindertagesstätte Felsberg:

„Ich kann es empfehlen, einen BFD zu machen, weil es Spaß macht, man neue Erfahrungen sammelt, und es hat mir auch bei meiner zukünftigen Berufswahl weitergeholfen.“

Keine Parallelstrukturen – vorhandene Erfahrungen nutzen

Nach den Plänen der Bundesregierung soll ein neuer Zivildienst eng mit dem Bundesfreiwilligendienst verzahnt werden. „Die Praxis zeigt, was funktioniert – und wo Herausforderungen liegen“, sagt Nathalie Bonnet. „Diese Erfahrungen müssen Grundlage für alle weiteren Entscheidungen sein. Neue Modelle dürfen nicht an den Realitäten der Freiwilligendienste vorbeigehen.“

Carsten Tag ergänzt: „Wer gesellschaftliches Engagement stärken will, muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Gerade in einer Zeit wachsender sozialer und politischer Herausforderungen brauchen wir starke und verlässliche Strukturen, stabile finanzielle Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit mit den Trägern. Nur so können Freiwilligendienste auch künftig ihre volle Wirkung entfalten.“ 
 

Über die Evangelischen Freiwilligendienste Diakonie Hessen 
Die Evangelischen Freiwilligendienste Diakonie Hessen sind anerkannter Träger für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ), den Bundesfreiwilligendienst (BFD) und den Bundesfreiwilligendienst 27plus (BFD 27plus). Alle Freiwilligendienste geben die Chance für berufliche Orientierung, für den beruflichen Einstieg, sowie die Möglichkeit, sich und andere kennenzulernen und praktische Erfahrung in helfenden, sozialen oder ökologischen Berufsfeldern zu sammeln. Das Engagement wird mit kostenfreien Bildungsseminaren und einem geregelten Entgelt unterstützt. Das FSJ und das FÖJ können im Alter von 16 bis 26 Jahren gewählt werden. Der BFD steht allen Altersgruppen ab 16 Jahren offen.

Weitere Informationen

Kontakt

Nathalie Bonnet

Ressortleitung Evangelische Freiwilligendienste

0561 10953104

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