„Wie komme ich an mein Geld? Wenn das P Konto zum Problemkonto wird“
Zur Aktionswoche Schuldnerberatung fordert die LIGA der freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz Politik zum Handeln auf
16.06.2026
Kampagne macht sie auf anhaltende Missstände beim Pfändungsschutzkonto aufmerksam
Trotz eindeutig geregelter gesetzlicher Vorgaben erleben viele verschuldete Menschen weiterhin große Schwierigkeiten mit ihren Pfändungsschutzkonten (P Konten). Kontoumwandlungen erfolgen verspätet, gesetzliche Freibeträge werden nicht rechtzeitig berücksichtigt, Guthaben bleiben blockiert. Das muss sich ändern!
„Die LIGA fordert entschlossenes Handeln der Politik, um den Pfändungsschutz wirksam durchzusetzen“, sagt Albrecht Bähr, Vorsitzender der LIGA Rheinland-Pfalz. Er stellt sich hinter eine Forderung der „Aktionswoche Schuldnerberatung“, initiiert von der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (AG SBV).
In ihrer vom 15. bis 19. Juni 2026 initiierten Kampagne unter dem Motto „Wie komme ich an mein Geld? Wenn das P Konto zum Problemkonto wird“ macht sie auf anhaltende Missstände beim Pfändungsschutzkonto aufmerksam. Nach Angaben der AG SBV gibt es in Deutschland monatlich rund 300.000 bis 350.000 Kontopfändungen.
„‚Wie komme ich an mein Geld?‘ – diese Frage hören die Mitarbeitenden in der Schuldnerberatung regelmäßig“, sagt Bähr. „Wenn Banken gesetzliche Regelungen nicht korrekt umsetzen, kann das existenzielle Folgen haben: Mieten werden nicht bezahlt, Energieabschläge nicht abgebucht, der Lebensunterhalt ist nicht gesichert. Das P Konto muss den Schutz bieten, den das Gesetz vorsieht“. Bähr betont: „Ein Konto ist elementarer Bestandteil der Existenzsicherung!“
Tanja Gambino, Sprecherin der Fachgruppe Schuldnerberatung der LIGA erläutert: „Das Pfändungsschutzkonto schützt automatisch einen gesetzlich festgelegten monatlichen Freibetrag. Für Menschen mit Unterhaltspflichten oder besonderen Lebenslagen können erhöhte Freibeträge gelten.“ In der Praxis frieren Banken bei einer Kontopfändung das Guthaben auf dem Girokonto zunächst ein. „Betroffene müssen dann aktiv die Umwandlung in ein P Konto beantragen. Ohne schnelle und korrekte Unterstützung durch Kreditinstitute, Schuldnerberatungsstellen oder Behörden steht zeitweise kein Geld für Miete, Energie, Lebensmittel oder Medikamente zur Verfügung“, so Gambino.
Die AG SBV kritisiert zudem rechtliche Unklarheiten, etwa beim Pfändungsschutz bestimmter Sozialleistungen wie Wohngeld oder Unterhaltsvorschuss. „Diese führen häufig zu Zuständigkeitsstreitigkeiten, Verzögerungen und zusätzlicher Belastung für Betroffene“, sagt Gambino.
„Der Gesetzgeber muss den staatlichen Schutz des P Kontos als soziales Sicherungsinstrument endlich wirksam gewährleisten“, ergänzt daher der LIGA-Geschäftsführer, Daniel Kieslinger. Nötig seien klare Standards für Banken, barrierearm erreichbare Ansprechstellen, geschultes Personal sowie konsequente Sanktionen bei Rechtsverstößen. Auch beim Basiskonto, das jedem Verbraucher einen Anspruch auf ein Girokonto sichern soll, sieht die AG SBV erheblichen Handlungsbedarf. Kreditinstitute müssten Basiskonten aktiv anbieten. Verstöße seien wirksam zu sanktionieren. „Nur mit klaren, durchgesetzten Regeln wird der Zugang zu Giro- und Pfändungsschutzkonten unkompliziert und selbstverständlich“, so Kieslinger weiter.
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LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz
Daniel Kieslinger
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Zur LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz e.V.:
Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz e.V. ist der Zusammenschluss der fünf Verbandsgruppen – Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz und der Paritätische – zu einem Spitzenverband auf Landesebene. Die Verbandsgruppen stellen gemeinsam über 10.000 soziale Einrichtungen und Dienste mit mehr als 175.000 Beschäftigten. Zusätzlich engagieren sich weit mehr als 40.000 Ehrenamtliche in den Wohlfahrtsverbänden in Rheinland-Pfalz. Die LIGA setzt sich für soziale Gerechtigkeit, Integration und den Schutz benachteiligter Menschen ein.