Mehr Zeit für Menschen
Diakonie Hessen diskutiert über den verantwortungsvollen Einsatz von KI.
Weitere Themen: Verbandsentwicklung, Gewaltschutz und die Wahl des neuen Vorsitzes.
06.11.2026
Mehr Zeit für Menschen gewinnen
Bereits in seiner Andacht zur Mitgliederversammlung stellte Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, die Frage nach einem verantwortungsvollen und am Menschen orientierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz in den Mittelpunkt.
„Die entscheidende Frage lautet nicht: Wie können wir Menschen durch KI ersetzen? Sondern: Wie können wir mithilfe von KI mehr Zeit für Menschen gewinnen?“, sagte Carsten Tag. Wenn Dokumentation schneller gelinge, Verwaltungsaufgaben einfacher würden und Mitarbeitende von Routinetätigkeiten entlastet werden könnten, entstünden neue Freiräume für Begegnung, Zuhören und Begleitung. Dabei zog der Vorstandsvorsitzende zugleich eine klare Grenze für den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Soziale Arbeit lebe von Beziehungen, Nähe, Vertrauen, Mitgefühl und Verantwortung. Ein Algorithmus könne diese Beziehungen nicht ersetzen. Technik könne jedoch dazu beitragen, sie zu stärken.
„Wir brauchen keine Angst vor der KI zu haben, sollten ihr aber auch nicht mehr zutrauen, als sie leisten kann“, betonte Carsten Tag. Entscheidend sei letztlich nicht, „wie intelligent unsere Maschinen geworden sind, sondern ob Menschen durch unser Handeln mehr Würde, mehr Teilhabe und mehr Menschlichkeit erfahren“.
Chancen nutzen, menschliche Verantwortung bewahren
Einen fachlichen Impuls zum Einsatz Künstlicher Intelligenz gab Prof. Dr. Michael Macsenaere vom Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ). Anschließend tauschten sich die Vertreter*innen der Mitgliedseinrichtungen über den aktuellen Stand sowie über Chancen, Risiken und Perspektiven für die Diakonie Hessen aus. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI die soziale Arbeit unterstützen kann, ohne menschliche Beziehungen und Verantwortung zu ersetzen. Der Austausch machte deutlich: Für die Diakonie ist KI nicht allein eine technologische oder wirtschaftliche Frage. Ihr Einsatz muss sich daran messen lassen, ob sie Mitarbeitende unterstützt, soziale Arbeit verbessert und letztlich den Menschen zugutekommt. Menschliche Verantwortung kann und soll sie dabei nicht ersetzen
Schutz vor sexualisierter Gewalt weiter stärken
Ein weiterer Schwerpunkt war der Stand der Umsetzung der im Januar 2026 gefassten Beschlüsse zu Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt. Dabei ging es um Prävention, Intervention, Anerkennung und Aufarbeitung. Schutzkonzepte, Schulungen sowie die Benennung und Vernetzung von Meldebeauftragten sind dabei zentrale Bausteine.
Neuer Vorsitz für die Mitgliederversammlung
Auch Wahlen für den Vorsitze der Mitgliederversammlung standen auf der Tagesordnung, da Ernst Walter Görisch und Katrin Wienold-Hocke nach Ablauf ihrer Amtszeiten zum Ende des Jahres nicht erneut für den Vorsitz und dem stellvertretenden Vorsitz zur Verfügung stehen. Zum Vorsitzenden der Mitgliederversammlung wurde Gerd Schreiner, Mitglied im Stiftungsrat der Nieder-Ramstädter Diakonie, gewählt. Zur stellvertretenden Vorsitzenden wählten die Mitglieder Tamara Morgenroth, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Region Kassel. Die neue fünfjährige Amtszeit beginnt am 1. Januar 2027.
Als Zeichen des Dankes für ihren Einsatz für die Mitgliederversammlung und dem Verband überreichte Carsten Tag den beiden scheidenden Amtsträgern für ihre jahrelange diakonische Arbeit Anerkennungen. Ernst Walter Görisch erhielt das Goldene Kronenkreuz, die höchste Auszeichnung, die die Diakonie vergibt. Da Katrin Wienold-Hocke bereits früher das Goldene Kronenkreuz erhalten hatte, überreichte der Vorstandsvorsitzende ihr eine Ehrenurkunde für die wertvollen ehrenamtlich geleisteten Dienste.
Regularien und Beschlussvorlagen
Auf der Tagesordnung standen außerdem die Berichte des Vorstands, des Aufsichtsratsvorsitzenden und der AG Diakonie Rheinland-Pfalz, der Jahresabschluss 2025 sowie die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. Der Vorstand wurde einstimmig und der Aufsichtsrat bei Enthaltung der Betroffenen entlastet, der Jahresabschluss wurde einstimmig genehmigt. Die der Mitgliederversammlung vorgelegten Beschlussvorlagen betrafen eine Verkleinerung des Aufsichtsrats, den Wegfall des Kirchengebietsproporzes, die Gleichstellung der Geschlechter, das Stimmrecht kirchlicher Träger und die Rolle der Fachlichen Arbeitsgemeinschaften. Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Anpassung der Mitgliedsbeitragsordnung ab 2027. Alle Vorlagen wurden von der Mitgliederversammlung beschlossen.