Diakoniesonntag am 20. September

Für ein würdevolles Leben bis zuletzt

Diakonie Hessen würdigt Hospizarbeit und fordert verlässliche Unterstützung am Lebensende

18.09.2026

Lebenswert bis ans Ende

Das Leben bejahen trotz schwerer Krankheit, mit Schmerzen oder des nahenden Lebensendes: Unter dem Leitgedanken „Lebenswert bis ans Ende“ rückt die Diakonie Hessen am diesjährigen Diakoniesonntag am 20. September Hospizarbeit, Palliativversorgung und seelsorgerische Begleitung in den Mittelpunkt. Während die gesellschaftliche Diskussion über assistierten Suizid zunimmt, zeigt die Diakonie Hessen wie Kirche und Diakonie Menschen am Lebensende zur Seite stehen. Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen und Pfarrer, gestaltet am Sonntag ab 10:30 Uhr in der Evangelischen Kirchengemeinde Überwald in Wald-Michelbach einen Gottesdienst zum Thema.

„Die Frage, was das Leben lebenswert macht, stellt sich besonders eindringlich, wenn Menschen mit schwerer Krankheit, Schmerzen oder Einsamkeit konfrontiert sind“, sagt Carsten Tag. „Gerade dann brauchen sie Nähe, Verlässlichkeit, Zeit und die Gewissheit, weiterhin Teil des Lebens und der Gemeinschaft zu sein.“

Würde ist unverlierbar

Viele Menschen fürchten am Lebensende nicht nur Schmerzen und den Verlust ihrer Selbstständigkeit. Sie sorgen sich auch, anderen zur Last zu fallen oder nicht mehr als die Person wahrgenommen zu werden, die sie ihr Leben lang gewesen sind. „Die Würde eines Menschen hängt nicht davon ab, was er leisten kann, wie gesund oder wie selbstständig er ist“, betont Carsten Tag. „Sie bleibt auch bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit und im Sterben unverlierbar. Menschen dürfen deshalb nicht auf eine Diagnose oder auf ihre Hilfebedürftigkeit reduziert werden. Sie müssen mit ihrer Geschichte, ihren Beziehungen, Hoffnungen und Erfahrungen gesehen werden.“

Gemeinsam den letzten Weg gehen

Hospizdienste, Palliativ- und Pflegeteams sowie Seelsorgerinnen und Seelsorger machen diese Haltung im Alltag erfahrbar. Sie begleiten schwer kranke und sterbende Menschen ebenso wie deren Angehörige. Einen besonderen Beitrag leisten die vielen ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Sie hören zu, halten Unsicherheit und Abschied mit aus und schenken Zeit, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. „Ihr Dienst geschieht häufig im Verborgenen, aber er kann die Welt eines Menschen verändern“, sagt Carsten Tag. „Eine Hand halten, einer Lebensgeschichte zuhören, gemeinsam schweigen, beten oder ein Lied singen: In solchen Augenblicken erfahren Menschen, dass ihr Leben Bedeutung besitzt und sie bis zuletzt Teil der Gemeinschaft bleiben.“ Dekanin Sonja Mattes vom Dekanat Bergstraße ergänzt: „Als Evangelisches Dekanat Bergstraße sind wir gerne Träger des „Hospizdienstes Odenwald“ der in Wald-Michelbach sitzt. In Verbindung mit unserer Geschäftsstelle engagieren sich hier zahlreiche Ehrenamtliche, die wir für diesen besonderen Dienst ausbilden. Wir wollen deutlich machen, dass „Christus dem Tode die Macht genommen hat“ (2. Timotheus 1,10). Gerade auch dadurch, dass Sterbende bis zuletzt liebevoll begleitet werden.“

Verlässlichkeit für Sterbende und ihr Umfeld

Begleitung am Lebensende ist nach Ansicht der Diakonie Hessen nicht nur Aufgabe der nahestehenden Menschen und Ehrenamtlichen, sondern auch von qualifiziertem Personal. Sie braucht verlässliche Beratung sowie gut erreichbare Hospiz- und Palliativangebote. Auch Angehörige benötigen Unterstützung und Entlastung, damit sie mit ihrer Verantwortung nicht allein bleiben.

„Eine menschliche Gesellschaft zeigt sich darin, wie sie mit Menschen umgeht, die auf Hilfe angewiesen sind“, sagt Carsten Tag schließlich. „Wir brauchen einen Sozialstaat, der nicht zuerst fragt, was ein Mensch kostet, sondern was er braucht. Die Würde des Menschen verwirklicht sich nicht allein in Grundsätzen, sondern im konkreten Beistand: in einer Pflegekraft, die Zeit hat, in Angehörigen, die Entlastung finden, und in Ehrenamtlichen, die kommen und bleiben.“

Über den Diakoniesonntag
Der Diakoniesonntag immer am 3. Sonntag im September in den Kirchengemeinden genutzt, um die vielfältigen Arbeitsfelder der Diakonie sichtbar zu machen. Die Diakonie Hessen stellt dafür regelmäßig eine Arbeitshilfe für die Gestaltung des Gottesdienstes bereit. Die diesjährige Ausgabe widmet sich den Themen Lebensende, Hospizarbeit, Palliativversorgung und der Frage, was ein Leben bis zuletzt lebenswert macht. Darin gibt unter anderem Bischöfin Dr. Beate Hofmann von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck einen Besinnungsimpuls.

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