Frau von hinten mit Baby auf dem Arm arbeitet in der Küche
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Weltfrauentag am 8. März

Rückwärtsgewandte Rollenbilder behindern Gleichstellung

Diakonie Hessen kritisiert „TradWife“-Trend auf Social Media

06.03.2026

Mit der sogenannten „TradWife“-Bewegung auf TikTok und Instagram wird in romantisierten Posts ein traditionelles Rollenbild der Vollzeithausfrau (traditional wife) und Mutter propagiert. Oftmals zahlen diese Darstellungen auf antifeministische, patriarchale und nationalkonservative Weltbilder rechter oder rechtskonservativer Ideologien ein. „Auch wenn sich einige der Influencer auf eine wortwörtliche Auslegung der Bibel beziehen, um die Unterordnung der Frau unter den Mann zu rechtfertigen, hat dies mit der heutigen Auslegung von Evangelischer Kirche und Diakonie nicht viel gemein“, stellt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, im Rahmen des Weltfrauentags am 8. März klar. „Diese patriarchalisch geprägte Social Media-Bewegung widerspricht gänzlich dem Grundgedanken von der Würde eines jeden einzelnen Menschen als Ebenbild Gottes – unabhängig von der Frage des Geschlechts. Eine Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern wirkt zudem der ökonomischen und sozialen Unabhängigkeit von Frauen entgegen und verstärkt die Abhängigkeit der Frau von einem männlichen Alleinverdiener, fördert Altersarmut und öffnet die Tür zu Machtmissbrauch und struktureller Gewalt.“

Rechte „Tradwife“-Bewegung verschleiert Abhängigkeit und Machtungleichgewicht

„Allen Frauen, die sich für diesen rückwärtsgewandten Lebensstil entscheiden, sollte bewusst sein: Im Gegenteil zu den ‚TradWife‘-Influencern, die mit ihren Social Media-Inhalten durchaus ihr eigenes Geld verdienen, werden Frauen, die sich im realen Leben komplett auf Hausarbeit und Kindererziehung konzentrieren und wirtschaftliche Verantwortung an den Partner übergeben, finanziell von diesem abhängig. Denn häusliche Care-Arbeit wird in unserer Gesellschaft in der Regel nicht monetär entlohnt“, ergänzt Dr. Melanie Hartmann, Referentin für Armutspolitik. Problematisch sei aber nicht die Entscheidung für den einen oder anderen Lebensstil aus freien Stücken, sondern wenn Frauen regelrecht in eine traditionelle Rolle gedrängt würden. Dies komme dann vor, wenn etwa in rechten Ideologien die Erwerbsbeteiligung von Frauen als „unnatürlich“ dargestellt oder der Gleichstellung der Geschlechter die Schuld am vermeintlichen moralischen Verfall der Gesellschaft gegeben würde. Melanie Hartmann: „Diese antifeministischen Rollenbilder der ‚TradWife‘-Bewegung sind mit ihrer frauen- und diversitätsfeindlichen Rhetorik ein Kernelement rechter Familien- und Gesellschaftspolitik. Sie widersprechen unserer diakonischen Vorstellung von Gleichheit, Chancengerechtigkeit und Vielfalt.“

Was Frauen wirklich brauchen, um selbstbestimmt entscheiden zu können

„Zweifellos werden Frauen in heutigen westlich geprägten Gesellschaften viel zu häufig zwischen Haushalt, Erwerbstätigkeit und Care-Arbeit zerrieben und leisten viele Stunden unbezahlter Arbeit“, erläutert Carsten Tag. Das möge ein vermeintlich traditionelles Idyll auf den ersten Blick erstrebenswert erscheinen lassen. Doch eine Rückkehr in traditionelle Familienbilder könne nicht die Lösung sein. Studien belegen: Die große Mehrheit der Frauen will arbeiten und würde sogar mehr Stunden arbeiten, wenn die Betreuung stimmt. Der Vorstandsvorsitzende schlägt daher vor: „Anstatt in alte Muster zu verfallen, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen, die es Frauen prinzipiell ermöglichen, am Erwerbsleben teilzuhaben, ohne sich selbst auszubeuten: Familienfreundliche Arbeitszeiten, flexible Betreuungszeiten, finanzielle Anerkennung von Care-Arbeit, sichere Arbeitsverhältnisse mit auskömmlicher Bezahlung, eine Politik, die eine faire Verteilung von Care-Arbeit in Familien und der Gesellschaft fördert. Dann nämlich können Frauen ihr Leben so gestalten, wie sie möchten.“

Auf dem Weg zur Parität: Gleichstellung in der Diakonie

Gleichstellung ist bundesweit ein Thema in der Diakonie. Seit 2016 orientiert sich die Diakonie am Corporate Governance Kodex und strebt damit eine geschlechtergerechte Zusammensetzung von Gremien, Organen und Leitungsstellen an. 2019 hat die Diakonie Deutschland einen Gleichstellungsatlas auf Grundlage einer Abfrage auf Bundesebene veröffentlicht. Im Oktober 2022 folgte die Verbandsempfehlung zur Erreichung der Gleichstellung aller Geschlechter in diakonischen Einrichtungen. Diese enthält eine Reihe konkreter Vorschläge an Maßnahmen zur Umsetzung. Bis 2026 soll ein Mindestanteil von jeweils 40 Prozent Frauen und Männern umgesetzt sein.

Wie die Diakonie Hessen Frauen in Führung stärkt

Die Diakonie Hessen unterstützt seit 2021 ein eigenes Projekt zur Frauenförderung „f3 – frauen fördern führung“, das von dem Netzwerk „FiF – Frauen in Führung in der Diakonie Hessen“, einem Zusammenschluss aus Frauen in obersten Führungspositionen, auf den Weg gebracht wurde und begleitet wird. Der Wohlfahrtsverband bietet spezielle Fortbildungen an, um Frauen auf höhere Führungspositionen vorzubereiten. Zusammen mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat die Diakonie Hessen ein so genanntes „Cross Mentoring-Programm“ realisiert. Etablierte Führungskräfte begleiten und unterstützen Frauen auf ihrem Weg zu einer obersten Führungsposition. Mit dem Projekt „f³“ nimmt die Diakonie Hessen eine Vorreiterrolle ein, indem sie sich gezielt für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf den oberen Führungsebenen einsetzt. Mehr erfahren

Kontakt

Dr. Melanie Hartmann

Referentin Armutspolitik, Arbeitsmarktpolitik, Jugendberufshilfe, Projekt Ländliche Armut

069 79476272

Julia Maas

Referentin Führungskräfteentwicklung Schwerpunkt Frauenförderung

069 79476387

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