© Johannes Fuhr
Sozialkürzungen

Tausende Postkarten erreichen die Bundesregierung in Berlin

Diakonie Hessen warnt vor Folgen geplanter Sozialkürzungen

09.07.2026

Wer heute bei sozialen Leistungen kürzt, zahlt morgen doppelt

Berlin/Frankfurt am Main, 8. Juli 2026. Mit einer Protestaktion hat die Diakonie heute in Berlin ihre Stimme gegen die geplanten Kürzungen in der Kinder‑, Jugend‑ und Eingliederungshilfe erhoben. Tausende Menschen aus Hessen haben Postkarten an die Bundesregierung geschrieben. Sie appellieren gemeinsam für sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft und weisen auf Folgekosten für das gesamte Sozialsystem hin. Auf dem Hessenfest in der hessischen Landesvertretung nahm Nina Warken (CDU) als Bundesministerin für Gesundheit stellvertretend eine der Karten entgegen, alle anderen Karten werden gebündelt im Bundeskanzleramt abgegeben. Gemeinsam überreichten Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, und Stefan Gerland, kaufmännischer Vorstand der Hephata Diakonie, die Karte im Auftrag der vielen Unterzeichnerinnen und Unterzeichner an die Bundesministerin.

„Wer heute bei sozialen Leistungen kürzt, zahlt morgen doppelt – gesellschaftlich und finanziell. Tragfähige Reformen für einen zukunftsfesten Sozialstaat entstehen nicht am Schreibtisch, sondern aus der Praxis. Hinter jeder dieser Karten stehen Menschen und ihre Erfahrungen. Diese Stimmen müssen gehört werden. Denn ein starker Sozialstaat ist die Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer hier spart, riskiert soziale Spaltung und gefährdet das Miteinander in unserem Land. Die Diakonie steht als verlässliche Partnerin für die Politik bereit – für Lösungen, die wirken, Folgekosten vermeiden und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sichern“, betont Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen.

Die Hephata Diakonie macht als größter Träger der Eingliederungs- und Jugendhilfe in Hessen seit Jahren ihr Engagement für Menschen mit Behinderung für die Politik auf dem Hessenfest sichtbar und hatte die Übergabe vor Ort initiiert.

Stefan Gerland, kaufmännischer Vorstand der Hephata Diakonie, erklärt: „Hinter diesen Postkarten stehen Menschen, die täglich erleben, wie wichtig verlässliche Hilfen für Teilhabe, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Zusammenhalt sind. Mitarbeitende, Klientinnen und Klienten, Angehörige und Unterstützende haben gemeinsam ein deutliches Signal gesendet: Soziale Unterstützung ist kein Sparmodell.“ Mit Blick auf die Attraktivität von Sozialberufen betont Gerland: „Die Sparvorschläge sehen nicht nur vor, die Leistungen für unsere Klientinnen und Klienten deutlich zu beschneiden, sondern auch die tarifliche Bezahlung der Mitarbeitenden im Sozialbereich in Frage zu stellen. Dies stellt die Attraktivität der Sozialberufe insgesamt in Frage und wird langfristig Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur und deren Angebote haben. In der Pflegeversicherung wurde dieser Fehler schon einmal begangen – mit weitreichenden negativen Konsequenzen.“

An der Aktion haben sich gemeinsam mit dem Landesverband und der Hephata Diakonie weitere Träger und Einrichtungen aus der Kinder-, Jugend- und Eingliederungshilfe in Hessen beteiligt, darunter Bathildisheim e.V., EVIM, Leppermühle e.V., Mission Leben, Nieder-Ramstädter Diakonie, St. Elisabeth-Verein e.V., Tanner Diakoniezentrum gGmbH und Regionale Diakonische Werke. Darüber hinaus haben Privatpersonen aus dem Umfeld von Mitarbeitenden und betroffenen Menschen die Postkarten unterschrieben. Die Übergabe in Berlin macht dieses Engagement sichtbar und zeigt zugleich die große Sorge über die diskutierten Sparpläne.

Die Postkarten sind Teil einer bundesweiten Aktion der Diakonie Deutschland unter dem Motto „Wer heute kürzt, zahlt morgen drauf“. Bundesweit wurden bereits weit über 100.000 Karten unterschrieben. Ziel ist es, politisch Verantwortliche direkt mit den Stimmen von Mitarbeitenden, Betroffenen und Unterstützenden zu konfrontieren.

Hintergrund sind die Pläne der Bundesregierung, zentrale soziale Leistungen massiv zu kürzen. Betroffen wären unter anderem Hilfen für Familien und Kinder, Angebote der Jugendhilfe sowie Leistungen für Menschen mit Behinderung. Die Diakonie warnt vor gravierenden Folgen für Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben.

Mit der heutigen Aktion bündelt sich der Protest zu einem klaren Signal an die Politik: Soziale Infrastruktur ist keine freiwillige Leistung – sie ist Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und langfristige Stabilität.

Bildunterschrift:
Stefan Gerland, kaufmännischer Vorstand der Hephata Diakonie und Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen (von rechts), übergeben beim Hessenfest in Berlin eine der Postkarten gegen geplante Kürzungen in der Kinder-, Jugend- und Eingliederungshilfe an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (links). Daneben im Bild Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz und Marina Mijacevic von der Diakonie Hessen. 

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